Caravaning-Trends 2010: die Branche hat verstanden


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Freizeitfahrzeuge sind Luxus pur. Der Markt wurde durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gründlich erschüttert. Doch geht es langsam wieder bergauf – auch wegen neuer Produktideen.

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Im Jahr 2007 war die Welt nach Jahren des Booms noch in Ordnung: europaweit wurden 209.050 Freizeitfahrzeuge zugelassen. Gleichzeitig stieg die Produktion rasant auf 227.270 Exemplare, sodass der Bestand im Handel auf bedrohliche 149.829 Reisemobile und Caravans anschwoll. Dann kam die Krise. Und es dauerte fast zwei Jahre, bis sich die Branche nach einigen Insolvenzen wieder gefangen hatte. Jetzt werden in Europa 146.000 Freizeitfahrzeuge hergestellt – Tendenz steigend – und 132.000 zugelassen. Der Bestand pendelt sich auf 84.000 Exemplare ein, die der Handel auch braucht, um die attraktiven Modelle der aktuellen Generation zu zeigen.

Denn die Branche «hat verstanden», das zumindest behauptet Michael Tregner, Hymer-Geschäftsführer, von sich. Und als Probe aufs Exempel präsentiert der Konzern die neue B-Klasse nach nur zehn Monaten Entwicklungszeit. Bei dem Bestseller in der oberen Mittelklasse folgt nun ganz klar wieder die Form der Funktion, erkennbar schon an der steileren Frontscheibe, die jetzt ein breiteres Hubbett im Fahrerhaus ermöglicht. Auch das Chassis des Vollintegrierten wurde ausgetauscht. Statt Leiterrahmen kommt ein Flachrahmen zum Einsatz, der einem praktischen doppelten Boden Platz einräumt. Dort lassen sich Installationen und zusätzliche Stauräume verstecken,

sogar die Wassertanks sind gegen Frost geschützt.

Auch im Innenraum wird das Motto der Ingenieure, die zurück zu bewährten Lösungen wollten, greifbar. Weniger an den hochwertigen Materialien, wie etwa der Mineral-Werkstoffplatte in der Küche. Aber die früher geschwungenen Möbelklappen sind plötzlich wieder gerade. Und im Bad kommt die gute alte Banktoilette zum Einsatz, da sie einfacher zu reinigen ist als ihr drehbares Pendant.

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Die Hymer B-Klasse tritt mit neun Grundrissen, die auch Einzelbetten beinhalten, an. Die Preise starten bei 62.790 Euro (100 PS/Diesel) und nicht-aufgelastet eignen sich die 3,5 Tonner auch für Chauffeure mit Pkw-Führerschein. Allerdings schmilzt dann im Top-Modell 698 die Zuladung auf 260 Kilogramm.

Auch Bürstner erkennt die Zeichen der Zeit und macht dies mit dem Namen einer preiswerten Variante des teilintegrierten Ixeo deutlich: Time. Natürlich verfügt dieses Fahrzeug über ein zusätzliches Hubbett über der Dinette. Schließlich hat Bürstner es für diesen Fahrzeugtyp erfunden, fleißige Nachahmer gefunden und einen Trend gesetzt. Offensichtliche Sparmaßnahmen sind gut getarnt und was für Kenner. So verdunkelt ein einfacher Vorhang das Fahrerhaus, in dem auch die Polsterstoffe als Standard aus dem Fiat-Sortiment und nicht von Bürstner stammen. Auch verzichtet das Bett im Heck auf den Komfort von Federkern-Matratzen. Aber erklären diese Ein-sparungen den Grundpreis beispielsweise des Ixeo Time it 585 (100 PS/Diesel), der bei knapp 44.000 Euro liegt? Je nach Modell der Baureihe (die fünf Modelle umfasst) beträgt die Differenz gegenüber dem normalen Ixeo zwischen 3.000 und 3.500 Euro.

Doch wird in der aktuellen Modell-Saison nicht nur gespart, sondern auch geklotzt. Und LMC möchte in der Spitze des Cara-vanbaus zur Elite aufschließen, ob sie nun Tabbert Paganini, Dethleffs CaraLiner, Hymer Nova S, Fendt Brillant oder eben Kabe Royal heißt. Speziell die letzte Marke liegt voll im Fokus, da sich die Schwedenauf Winterurlaub unter extremen Bedingungen spezialisiert haben. Und so verwundert dann auch nicht der Name des Neulings: Scandica. Und LMC meint es mit sieben Modellen auf Doppelachse ernst.

So ist die Isolierung mit holzfreiem Aufbau und einer Dämmung von 45 bis 50 Millimetern eine klare Ansage,

auch die komplette Hinterlüftung aller Möbel, die Schmilzwasser verhindert und die Wirkung der Fußbodenheizung durch effektive Luftzirkulation unterstützt. Die Preise starten bei 27.990 Euro, immerhin rund 5.000 Euro günstiger als die schwedische Konkurrenz.

Doch kommt Fortschritt teilweise auch dadurch zustande, dass die Ingenieure bekannte Technik neu kombinieren. Ein schönes Beispiel ist das klappbare Schlafdach, bekannt vom VW California. Es lässt sich beispielsweise aktuell bei TEC mit vielen Caravans und Reisemobilen kombinieren und bietet mit geringem Aufwand ein optionales Oberstübchen. Besonders geschickt gelang die Operation bei Hymer, da das neu entwickelte Schlafdach des HymerCar fast perfekt auf den flachen Reise-Caravan Feeling passte, der sowieso ein Hubdach benötigt, um Stehhöhe sicherzustellen. Das Gespann aus Car 302 (100 PS/Diesel) und Feeling 425 kostet dann ab 51.960 Euro. Es bietet aber bis zu neun Personen bequemen Platz und zwei komplett getrennte Schlafräume. Außerdem hebt die Kombination von Reisemobil und Caravan alle Gegensätze der unterschiedlichen Nutzung auf.

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Dass preiswert aber nicht billig heißen muss, beweist schließlich die Marke Sunlight «made in Germany» in Neustadt/Sachsen. Dort stellt die Capron GmbH als Gemeinschaftsunternehmen von Hymer und Dethleffs seit 2006 weitgehend identische Reisemobile und Caravans der Marken Carado und Sunlight her; damals ein Bollwerk gegen die Preiswert-Konkurrenz aus Südeuropa, heute ein Angebot, das in die Zeit passt. Die Strategie ist einfach. Eine überschaubare Anzahl an gängigen Grundrissen, eine kurze Liste an Sonderausstattungen, eine einfache aber solide Bauweise und hohe Stückzahlen in der Produktion führen zu günstigen Preisen für die Endverbraucher.

Der Sunlight Caravan C47 D ist ein gutes Beispiel. Immerhin verfügt der Wohnwagen mit den Aufbau-Maßen 2,32 mal 5,77 Meter über den beliebten Grundriss mit Längs-Doppelbett und Hecksitzgruppe. Er bietet aber auch ein ausgelagertes, seitliches Wasch-becken im Bug und einen großen Küchenblock mit geräumigen Staufächern an. Und sogar etwas Luxus ist an Bord, in Form einer beleuchteten Milchglasvitrine im Eingangsbereich. Da stehen dann die Gläser für die Flasche Sekt, mit der der Einstandspreis begossen wird: 13.599 Euro.

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