Autodesign – Rundlich ist beliebt


Eckige Karosserien haben’s schwer

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Rundungen sind gefragt: Ein Blick in die Garagen in meinem Bekanntenkreis zeigt ganz klar diese Tendenz. Und ganz offensichtlich sind diese Eindrücke tatsächlich repräsentativ für den deutschen Markt. 

Gegen den Mainstream fährt aktuell Suzuki mit der Neuauflage des Klassikers Jimny. »Quadratisch, praktisch, schön« lautet die selbstbewusste Werbedevise. Tatsächlich wurde der Neue sehr positiv aufgenommen, sowohl wegen des kompromisslosen Designs als auch in puncto Geländetauglichkeit. Die Ähnlichkeit mit dem Ur-Jimny alias Suzuki SJ ist unschwer erkennbar.

Allerdings: Karosserien mit Ecken und Kanten haben es hierzulande eher schwer. Diese Erfahrung machte Nissan in Deutschland mit dem Cube. In Japan ein Bestseller, flog er hierzulande schon nach knapp einem Jahr aus dem Modellprogramm (2011). Seine Tugenden – allen voran seine Genügsamkeit in puncto Parklücken, die der Hersteller gerne auf Fotos demonstrierte – wurden von den Käufern nicht gewürdigt. Die selbstbewusste Preisgestaltung mag freilich ihres dazu beigetragen haben.

Noch vor dem völligen Rückzug von Daihatsu aus Europa kam für den Materia das Aus. Auch er wurde als Raumwunder hervorgehoben, genutzt wurde er mehr als Werbeträger denn als Alltagsauto. Allerdings hatte der Fünftürer mit Hingucker-Design auch seine Nachteile – etwa eine arg labbrige Kofferraumabdeckung und das Fehlen einer Leuchte für eingeschaltetes Abblendlicht. Kleinigkeiten, aber auffallende Kleinigkeiten. Immerhin ließ man ihm dreieinhalb Jahre Zeit, hierzulande um Kunden zu werben (2007-2010).

Selbst die Daihatsu-Mutter Toyota, in Deutschland recht erfolgsverwöhnt, hatte mit kantigem Design im Segment der Kompakten kein Glück. 2009 eingeführt, war für den Urban Cruiser 2014 Schluss.

Selbst der in neun Jahren durchweg beliebte Škoda Yeti (im Design allerdings ebenfalls polarisierend) bekam 2017 mit dem Karoq einen deutlich rundlicheren Nachfolger.

Sucht man auf dem deutschen Markt einen Dauerläufer mit kantiger Karosserie, wird man fündig – ebenfalls unter den Importeuren, genauer: in Russland. Der Lada Niva hat nicht nur etliche Modernisierungsphasen von Automobilen und eine Namensänderung (»4×4«) überlebt. Vor kurzem wurde dem klassischen Dreitürer eine fünftürige Langversion zur Seite gestellt. Erfolgsgeheimnis? Vor allem, wer wirklich viel offroad unterwegs ist (Jäger, Förster …), setzt auf die einfache und daher unverwüstliche Allradtechnik aus Togliatti. Da wurde dem Lada 4×4 2017 sogar ein Sondermodell zum 40. Geburtstag spendiert. 

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