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Antriebsarten: Womit fahren Taxis


Der Umwelt-Engel von Berlin

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Diesel oder Umweltauto? Wer kann diese Frage besser beantworten als ein Taxi-Unternehmer. Oliver Lauter sprach für KÜSmagazin mit Bernd Engel (Geschäftsführer Eastside Taxi Berlin) über Kosten und Zuverlässigkeit seiner Taxen. Engel war der erste Berliner Unternehmer, der einen Toyota Prius Hybrid als Taxi eingesetzt hat. Heute hat der Unternehmer nahezu alle umweltfreundlichen Antriebe im Programm.

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Bernd Engel fährt mit seinen Taxen für Taxi Berlin. Taxi Berlin ist Europas größte Taxizentrale. Kein Taxi, was es hier nicht gibt: Vom Oldtimer bis zum Elektroauto. Fast jedes Berliner Taxi ist an das Vermittlungssystem angeschlossen. Insgesamt fahren für Taxi Berlin 6.400 Taxis und 15.000 Taxifahrer in Berlin und Umland.

Diesel fahren ist perfekt für Vielfahrer. Warum haben Sie die Diesel abgeschafft?
Engel: Der Mercedes 200D W124 war perfekt für den Stadtverkehr. Sparsam und nahezu unkaputtbar. Mit dem Mercedes W210 und W211 gab es plötzlich einen Leistungssprung. Parallel ist die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 18 km/h in der Stadt gesunken. Was passiert: Die Ansaugbrücken setzten sich mit Ruß zu. Probleme mit den Einspritzdüsen kamen hinzu. Die Technik mit der Abgasreinigung wurde komplizierter. Und plötzlich stiegen die Verbräuche auf neun bis zehn Liter in der Stadt an. Wir haben nur noch einen Diesel: Einen Mercedes V220 CDI. Und auch nur, weil es noch keinen 8-Sitzer Großraumbus mit Hybrid gibt.

Und dann kamen Sie auf die Idee, auf Hybrid umzusteigen?
Das war 2001. Wir waren der erste Taxiunternehmer, der mit Hybrid gefahren ist. Zuerst hatten wir etwas Angst vor der kapriziösen Technik. Doch das Auto hielt. Die stufenlose Automatik hielt ewig. Unsere Fahrer haben regelrechte Wettbewerbe veranstaltet, wer am wenigsten verbraucht. Gute Fahrer lagen bei 3,5 Liter, schlechtere bei 3,9 l/100 km. Selbst wenn der Prius Benzin tankt: So viel kann man beim Dieselpreis gar nicht sparen.

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Wie lange hat der erste Prius durchgehalten?
Nach knapp 430.000 Kilometern haben wir ihn weggegeben. Die Innenausstattung war einfach komplett verschlissen, weil sie nicht auf den Taxi-Betrieb ausgelegt ist.

Wie sieht es mit den Wartungskosten aus?
Generell sind die Wartungskosten viel geringer: Zum Beispiel wird beim Prius alles elektrisch angesteuert: Es gibt also keinen Keilriemen für Klima, Wasserpumpe und Lichtmaschine, die ersetzt werden muss. Allerdings muss man auch sagen, dass es für Toyota kaum Teile auf dem freien Ersatzteilemarkt gibt. Bei einem Unfallschaden zum Beispiel wird es deshalb mit dem Prius deutlich teurer.

Jetzt haben Sie auch noch Erdgas-Autos. Wie sind da ihre Erfahrungen?
Durchweg positiv. Durch die modernen Ergas-Tankstellen ist das Tanken in fünf Minuten erledigt. Das Tankstellennetz ist deutlich dichter geworden. Warum Erdgas plötzlich zum Stiefkind der Autoindustrie wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Beim aktuellen Gaspreis kommen wir etwa auf 6,30 Euro/100 km Kosten. Zum Vergleich: Ein Mercedes 200 CDI Diesel liegt bei etwa 10 Euro/100 km.

Wie zuverlässig sind denn Ihre Erdgas-Fahrzeuge?
Auch die Erdgas-Fahrzeuge werden von uns etwa 400.000 bis 500.000 Kilometer gefahren. Hier muss ich sagen, gab es weder bei Mercedes noch bei Volkswagen Ausfälle oder Undichtigkeiten. Allerdings gibt es ein Riesenproblem, da es keine freien Werkstätten für die Wartung von Erdgas-Anlagen in Berlin gibt. Man muss jedes Mal zum Vertragshändler, was enorm teuer ist. Natürlich ist das Interieur bei Mercedes excellent verarbeitet. Ein Touran ist nach 500.000 Kilometern wirklich mit dem Innenraum fertig.

Sie haben auch den Golf GTE von Volkswagen als Versuchsfahrzeug bekommen und sammeln Ihre Erfahrungen …
Unser Verbrauch im gemischten Betrieb liegt etwa bei 5,5-6 Liter Benzin. Die Reichweite rein elektrisch liegt bei etwa 50 Kilometern. Für uns ist die Technik noch nicht ausgereift, so lange man noch umständlich mit einem langen Kabel über eine Plug-In-Steckdose aufladen muss. Bei schlechtem Wetter ist grundsätzlich die Kleidung des Fahrers verdreckt, weil das Kabel über den nassen und dreckigen Boden schleift. Auch das Aufladen außerhalb der Taxizentrale ist eine Katastrophe: Die Stromkarten, zum Beispiel von RWE, sind nur sehr schwer zu bekommen. Und selbst dann parken meist die elektrischen Carsharing-Autos an den Elektrosäulen. Die Aufladezeit mit zwei Stunden dauert viel zu lange. Was soll ein Fahrer während dieser Zeit machen?

Also kein Elektroauto für den Taxi-Betrieb?
Solange es kein induktives Aufladen gibt. Das heißt: Ein Fahrzeug fährt über eine Induktionsschleife im Asphalt. Und während er darüber fährt, werden die Batterien geladen, heißt das für uns in den nächsten Jahren Plug-in-Hybrid.

www.taxi-berlin.de
Tel. 030-202020

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