An der Autobahn: Das Modemuseum Meyenburg


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Vorbeigefahren sind Sie sicher schon. Auf dem Weg zur Ostsee oder nach/von Berlin und Hamburg. Nördlich im zur brandenburgischen Prignitz gehörenden Landstrich zwischen beiden Autobahnen und kurz bevor sie sich vereinigen, liegt Meyenburg. Die Nachsilbeburg auf dem Ortsschild verrät, dass hier eine alte Grenzburg zur Verteidigung von Herrschaftsansprüchen gegenüber Mecklenburg stand. Dann das Schild: Modemuseum Schloss Meyenburg.

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Der Schlosspark strahlt in frühsommerlicher Farbenpracht. Alles leuchtet und alle Wege führen zum restaurierten, den Stilgeschmack des 19. Jahrhunderts konservierenden Schloss. Ein verspieltes Ensemble mit angrenzender, modernisierter Ruine. Informationstafeln. Interessant, das Schloss war lange im Besitz der adeligen Familie von Rohr. Bekannte Familie. Zumindest für Fontane. Denn als Literatureisendender korrespondierte der Dichter mit Fräulein Mathilde von Rohr. Da lebte jene Dame allerdings im evangelischen Damenstift in Dobbertin, einem früheren mecklenburgischen Kloster. Sie erzählte Fontane manches über den Mecklenburger Adel. Doch zurück zum Schloss.

Eine bessere zeitgenössische Nutzung dieses Schlosses ist nicht denkbar: Eine Modesammlung. Josefine Edle von Krepl präsentiert hier seit 2006 ihre über viele Jahre zusammengetragene Sammlung historischer Kleider aus dem Zeitraum 1900 bis 1970. Traumhaft! Damenroben des Fin de Siècle mit Rüschen, Spitzen, Polstern, dazu Hüte und Capes, Fächer und winzige, perlenbestickte Handtäschchen. Zwischen all den Kleidern hat die Modeenthusiastin Porzellan, Gläser und andere Alltagsgegenstände drapiert. Im Hintergrund spielen Melodien aus den Ballsälen um 1900. In den Räumen der oberen Etage rückt die eigene Garderobe näher. Wer erinnert sich nicht an die Lieblingsschlaghose, blau oder rot, auf jeden Fall bequem und herrlich weit. Wo ist die eigentlich abgeblieben? Ketten und Ringe ergänzen die Ausstattung, etliches ist bereits wieder in. Sonderausstellungen, wie ab 7. Juni 2014 „Tanzende, singende Notenblätter“, erweitern die Schau in das uferlose Feld von Kunst und Leben. So gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Im Café des Museums, das gleich im Untergeschoss neben der Kasse beginnt, stehen Sammeltassen auf den vielgestaltigen Tischchen. Kindheitserinnerungen tauchen auf: Kaffeetafeln bei Tanten, runde Geburtstage, die lieben Verwandtenbesuche … Alles ist eingerahmt von Kleidern auf langen Garderobenständern, Hüten und allerlei Accessoires. Statt Kaffee (geschmacklich kann dieser nicht mit dem Augenschmaus der Modesammlung mithalten!) sei das Stöbern in den Erinnerungsstücken und das Aufprobieren der Hutkreationen empfohlen. Schade, dass frau die Stücke aus den oberen Räumen nicht anprobieren kann. Dann noch mal zurück zu den flotten Kleidern der Wilden Zwanziger und etwas träumen.

Anreise:

A 24, BAB Hamburg-Berlin, Abfahrt Meyenburg, dann die B 103 Richtung Meyenburg. Auf der Pritzwalker Straße geradeaus durch den Ort hindurch, über die Kreuzung hinüber, ab dann heißt es Marktstraße bis rechts am Ende der Altstadtsiedlung der Parkplatz „Modemuseum“ ausgeschildert ist. Vom Parkplatz sind es wenige Schritte bis zum Schloss im Park.

A 19, BAB Rostock-Wittstock, Abfahrt Röbel, weiter über Darze und Stuer nach Ganzlin und weiter auf der B 103 nach Meyenburg. Von Norden kommend liegt der Parkplatz zum Modemuseum kurz nach Ortseingang auf der linken Seite, am Beginn der Altstadtsiedlung.

www.modemuseum-schloss-meyenburg.de
Öffnungszeiten: Di. – So. 11–17 Uhr

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