50 Jahre Renault 12


Gallische Gene für die Welt

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Dieser Renault verkörperte vor 50 Jahren eine Zeitenwende im französischen Automobilbau. Und doch machte sein Debüt kaum Schlagzeilen. Die Grande Nation beschäftigte sich damals mehr mit Prestigeprojekten wie der Concorde, neuen Hochgeschwindigkeitszügen und dem wirtschaftlichen Modernisierungsprogramm des Präsidenten Georges Pompidou. Vielleicht fehlte es dem neuen Renault 12 an Sensationswert, weil er nach den avantgardistischen Renault 4 und 16 mit Frontantrieb und Heckklappe auf den ersten Blick pragmatisch und unspektakulär wirkte.

Fürs sportliche Image schob Renault Ende 1970 den R12 Gordini nach

Tatsächlich aber schickte dieser 1,3-Liter-Vierzylinder mit Frontantrieb die Heckmotor-Veteranen R8 und R10 in den Ruhestand. Zudem revitalisierte der R12 die für Frankreich so typische Karosserieform des klassischen Familienkombis, die es bei Renault zehn Jahre lang nicht gegeben hatte.

Vor allem jedoch legte der fast vier Jahrzehnte lang gebaute Renault 12 das Fundament für die spätere Renault-Tochter Dacia und das moderne Weltauto im Multi-Marken-Branding, das auf allen Kontinenten reüssiert. Sogar Ford bediente sich in Südamerika der Renault-12-Architektur und auf australischen Wüstenpisten oder afrikanischen Rüttelstrecken bewährte sich die ebenso robuste wie zukunftsgewandte Frontantriebskonstruktion besser, als die meisten etablierten Modelle mit Hinterradantrieb.

Nie zuvor war ein europäisches Modell von der ersten Designskizze an so nachhaltig auf die Rolle eines Welt-
eroberers vorbereitet worden wie der Renault 12. Für die Formen zeichnete Robert Broyer verantwortlich, der die viertürige Limousine in ungewöhnlichen Linien entwarf mit nach hinten ansteigender Dachlinie und steil abfallendem Fahrzeugheck. Trotzdem bot der Kofferraum 420 Liter Volumen und damit mehr Größe als die Konkurrenten Peugeot 204 oder Fiat 124. Schon die ersten Prototypen unterstrichen die Bedeutung der Exportmärkte mit schwierigen Straßenverhältnissen für das neue Modell. Zeigten sich die Studien doch mit zusätzlichem Reserverad auf der Kofferraumklappe und mit einem asymmetrischen Kühlergrill, der Raum ließ für die ungewöhnliche Zahl von drei Hauptscheinwerfern – zwei davon zur strahlend hellen Ausleuchtung des rechten Straßen- oder Pistenrands. Diese einzigartigen Ausstattungsattribute fielen aber vor Serienstart dem Rotstift zum Opfer, denn das neue Mittelklassemodell sollte bezahlbare Massenmobilität auch in aufstrebenden außereuropäischen Ländern ermöglichen.

Bereits 1969 konnte der französische Staatskonzern hierzulande 7,5 Prozent Marktanteil erringen und sich so erstmals auf Platz vier hinter VW, Opel und Ford positionieren. Auch in der DDR war der Renault 12 bald begehrt – unter Dacia-Label. Und in Frankreich verkaufte Renault von seinem Shootingstar ab 1970 jährlich weit über 200.000 Einheiten, genug um vorrübergehend Platz eins im nationalen Produktionsranking zu belegen. Regelmäßige kleine Facelifts hielten den Renault 12 über elf Jahre und vier Millionen Einheiten frisch, erst dann musste der Dauerläufer in Westeuropa dem Renault 18 weichen.

Der 4,34 Meter lange Renault 12 stand für den Beginn einer neuen Ära

Fotos:ausgabe59 Dacia, Renault

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