Wildnarzissen als Blütenmeer


Die gelben Täler der Eifel

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Millionen wilder Narzissen verwandeln im April Talwiesen in der Eifel in ein gelbes Blütenmeer. Die Wildform der Osterglocken wächst in Deutschland nur bei Monschau und Hellenthal, außerdem noch im Hunsrück.

Wolfgang Schumacher kann sich noch gut erinnern, an seine Wanderung in den 1970er-Jahren durchs Oleftal in der Eifel. „Im dunklen Fichtenwald sorgten hier und da wilde Narzissen für leuchtend gelbe Farbtupfer“. Das Erlebnis ließ den Biologen nicht mehr los. Er setzte sich ein für die gefährdeten Blumen, sprach mit Naturschutzorganisationen und knüpfte Kontakte zur Loki-Schmidt-Stiftung. Mit deren finanzieller Hilfe konnte im Herbst 1979 im Oleftal erstmals ein Hektar Fichtenbestand abgeholzt und erneut zur Narzissenwiese werden.
40 Jahre danach erstrahlt das Oleftal ganz in Gelb, links Deutschland und rechts Belgien. Die Narzissenwiese konnte damals ohne Staatsvertrag von der belgischen Gemeinde Büllingen erworben werden.
Wildnarzissen – Narcissus pseudonarcissus – wachsen in Deutschland nur in der Eifel im Oleftal, im Fuhrts- und Perlenbachtal sowie im Hunsrück. Die Blumen brauchen feuchte Füße und etwas sauren Boden, viel Niederschlag und die Höhenlage zwischen 600 und 1.000 Meter über dem Meeresspiegel. Selbst Schnee und Hagelschauern schaden den robusten Frühlingsboten kaum: Mit den ersten dauerhaft warmen Apriltagen entfalten die kleinen Wilden ihre ganze Pracht und verwandeln die Talauen in ein riesiges, gelbes Blütenmeer.
Nach dem ersten Hektar im Oleftal wurden in den zurückliegenden 40 Jahren weitere Fichtenbestände in den Tälern abgeholzt, sodass sich Wildnarzissen auch dort wieder ansiedeln konnten. Damit kehrte das ursprüngliche Landschaftsbild der offenen Talauen zurück.


Denn vom 12. Jahrhundert bis in die 1950er-Jahre wurden die Auen von Bauern zur Heugewinnung genutzt. Danach lohnte die Mahd in den hoffernen Tälern nicht mehr. Mit schnell wachsenden Fichten als Erwerbsquelle wurden die Flächen aufgeforstet. Doch Ende der 1970er kam der Wandel – mit Wolfgang Schumacher und der ersten Narzissenwiese im Oleftal. „Heute sind die Täler Naturschutzgebiete, insgesamt sind es über 80 Hektar Fläche“, so der Biologe und Geobotaniker.
Wahre Hotspots der Wildnarzissen sind Fuhrts- und Perlenbachtal bei Monschau-Höfen. Auf mehreren Rundwegen, zwischen fünf und 14 Kilometer lang, steigen die Besucher hinab in die beiden Talauen. Ausgangsort ist das Informationszentrum Nationalparktor Eifel in Höfen, in dem über Fauna und Flora berichtet wird. Dort gibt es auch Faltblätter mit Kartenskizzen zu den Wanderrouten.
„Getränke und Verpflegung sollte man mitführen“, rät Barbara Frohnhoff von Monschau Tourismus. Unterwegs besteht keine Einkehrmöglichkeit, doch Ruhebänke und Schutzhütten laden an den Rundwegen zur Rast ein. Festes Schuhwerk sei ebenfalls notwendig, da die Wege nach Regentagen schlammig und rutschig sein können.

www.weisserstein.info
www.monschau.de

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