Weserberg: Geheimtipp für Motorradfans


Burgen, Bäche und Barone

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Sie haben noch nie etwas vom Weserbergland gehört? Kein Wunder, denn es gehört zu den wenigen, vergessenen Urlaubsregionen Deutschlands. Das romantische Mittelgebirge zwischen Kassel und Hannover inspirierte schon Dichter, Märchen wie der Rattenfänger von Hameln oder die Lügengeschichten des Barons von Münchhausen fanden im lieblichen Wesertal ihren Ursprung. Zwischen grünen Wäldern, saftigen Wiesen und Felsen aus Kalk und Buntsandstein plätschern kleine Bäche im Takt dazu.

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Noch in den 70er-Jahren schickten die großen Stahlriesen und Farbwerke ihre Mitarbeiter zur Erholung ins Weserbergland. Zum Durchatmen und Wandern in eine der schönsten Landschaften Deutschlands. Mittlerweile hat die Region ihren Anschluss an die Welt verloren. Flughafen, ICE oder Autobahnen, alles ist mindestens eine Stunde weit entfernt.

Deutsche machen lieber Urlaub auf Malle als in Holzminden an der Weser. Einen dreiwöchigen Urlaub mag hier keiner recht verbringen. Aufregend ist hier kaum etwas. Und genau das macht das Weserbergland zu einem der schönsten Urlaubsziele. Endlich einmal Ruhe für die Seele.

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Bis heute wird im Schloss Fürstenberg, das 1699 errichtet wurde, das weiße Gold hergestellt. Kostbares Porzellan mit eigenem Design. Fürstenberg ist die zweitälteste Porzellanmanufaktur Deutschlands, die immer noch am gleichen Ort produziert.

Wer im Spätherbst durch die goldenen Wälder fährt, die kleinen schmalen Landstraßen, die oft nicht einmal einen Mittelstreifen haben, begegnet oft minutenlang keinem anderen Auto. Belohnt wird der Ausflügler immer wieder von atemberaubenden Aussichtspunkten auf das Wesertal. Hier kann man sogar einen Sonnenuntergang von oben beobachten.

Die Weser, das sind eigentlich Werra und Fulda, die bei Hannoversch Münden zusammen fließen, zählt im Vergleich zum Rhein eher zu den gemütlichen Flüssen. Gemütlich, wie alles was es im Weserbergland zu besichtigen gibt. Wie etwa das mächtige Schloss Bevern bei Holzminden, das repräsentativ für die Weserrennaissance steht. Der Baustil bezeichnet eine regionale Variante der nordischen    Renaissance.

Schlösser, Bürger- und Sakralbauten der Renaissance haben sich in ungewöhnlich hoher Dichte erhalten, weil sich die Region wirtschaftlich nur schleppend von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholte und für eine barocke Umgestaltung die Mittel fehlten. Buntsandstein statt Marmor. Fachwerk statt Stuck.

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Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch im Münchhausenland. Die Stadt Bodenwerder feiert den Lügenbaron mit Musicals, Museen und Statuen bis heute. Dabei kann der gar nichts dafür. Denn ein gelegentlicher Gast in Bodenwerder, Museumsdirektor Rudolf Erich Raspe, stibitzte – um Schulden zu begleichen – 1774 einige Antiquitäten aus den landgräflichen Sammlungen in Kassel. Der Diebstahl wurde entdeckt, Raspe floh. Um Geld zu beschaffen, veröffentlichte er 1785 in London eine Reihe von Anekdoten und Reiseabenteuern unter Münchhausens Namen. Raspes Buch wurde ein irrwitziger Erfolg. Diese Publikationen machten Münchhausen zwar weltberühmt, brachten ihm jedoch den Ruf als „Lügenbaron“ein, was ihn bis zu seinem Tod verärgerte.

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Heute ist es ruhig geworden in Bodenwerder. Die Innenstadt oft menschenleer. An manchen Nachmittagen hört man nichts als das Rauschen der Blätter. Einer der schönsten Gründe für eine Tour ins Weserbergland.

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