Von der Jugendstilmetropole Norwegens mit der Hurtigruten in den Geirangerfjord


Im Licht des Morgens

0

Mit einer Katastrophe begann der Aufstieg von Ålesund: Im Januar 1904 legte ein Großbrand die Stadt in Schutt und Asche. In nur drei Jahren wurde das Zentrum wieder aufgebaut. Und erstrahlt seitdem in der Architektur des Jugendstils.

ALESUND-ZentrumFotoBMeier82011

Blick vom Hausberg Axla auf die Innenstadt

Ziemlich aus der Puste sind die Besucher, als sie auf dem Gipfel von Ålesunds Hausberg Aksla eintreffen. Genau 418 Treppenstufen führen hinauf zur Höhe. Doch die schweißtreibende Mühe lohnt auf jeden Fall. Denn von oben bieten sich grandiose Rundblicke auf die Innenstadt von Ålesund, die auf einer Halbinsel liegt und von zwei Fjorden eingerahmt wird. «Zu Fuß geht es am besten auf den Aksla. Das ist nicht nur sportlich, sondern der Weg ist viel kürzer als die Anfahrt mit dem Auto», meint Bente Saxon vom Ålesunder Tourismusbüro. Und sie gibt auch gleich einen guten Rat für alle Hobbyfotografen: «Steigen sie vormittags auf den Aksla. Dann steht die Sonne richtig: Sie scheint von Osten auf unsere schöne Stadt.»

Am 23. Januar 1904 bricht in der Nähe der Kirche ein Feuer aus. Durch heftigen Wind können sich die Flammen rasend schnell ausbreiten. Innerhalb von nur 16 Stunden legen sie 850 Holzhäuser in Schutt und Asche. 10.000 Einwohner sind über Nacht obdachlos, haben ihr Hab und Gut verloren und irren frierend durch das Winterdunkel.Doch schon bald setzt internationale Hilfe ein. Bereits drei Tage nach der Katastrophe trifft aus Deutschland das erste Schiff mit einer Hilfslieferung ein. Der deutsche Kaiser Wilhelm II., ein Liebhaber Norwegens, ordnet die Hilfe persönlich an.

ALESUNDFrische Krabbendirekt vom KutterFoto.B.Meier82011

«Was damals ein riesiger Verlust war, ist heute ein Vorteil für Ålesund», meint die Tourismusexpertin Saxon. Denn die Stadt entsteht in einer Rekordzeit von nur drei Jahren völlig neu. Die Bauplaner lassen die Häuser im Jugendstil – auch Art Nouveau genannt – bauen. Es ist die Architektur, die in jenen Jahren in Europa große Mode ist. Aus ganz Norwegen strömen nach dem Brand Architekten und Bauleute nach Ålesund, um beim Wiederaufbau zu helfen. «Über 20 Architekten kamen in die Stadt», berichtet Nils Anker, Direktor des Ålesunder Jugendstilmuseums. «Viele hatten zuvor in Großbritannien, Frankreich und Deutschland gelebt und dort studiert. Sie brachten die Ideen des Jugendstils nach Ålesund.»

Heute gilt Ålesund mit über 400 denkmalgeschützten Gebäuden als eines der schönsten Beispiele für Jugendstilarchitektur in Europa. Die Fischereistadt mit ihren 43.000 Einwohnern wird von Kennern in einem Atemzug genannt mit den Stadtvierteln und einzelnen Bauwerken des Jugendstils, die in Deutschland in Darmstadt, Bad Nauheim und Karlsruhe zu finden sind. Der Jugendstil prägte in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren ab 1891 nicht nur Gebäudeformen sondern auch Mode, Möbel und Malerei mit fließenden Linien, kunstvollen Schnörkeln und verzierenden Ornamenten.

Das sehenswerte Jugendstilmuseum in der Apotekergata im Haus der Apothekerfamilie Øwre zeigt die Verkaufstheken und Pharmazieschränke sowie im ersten Obergeschoss das elegante Speisezimmer der Øwres. In einer Multimediaschau unter dem Motto «Von der Asche zum Jugendstil» informiert die Sammlung über die Brandkatastrophe und den Wiederaufbau.

Jahr für Jahr kommen über 400.000 Besucher nach Ålesund. Viele von ihnen sind Kreuzfahrttouristen. Die riesigen Schiffskolosse, wie etwa die 70 Meter hoch aufragende «Queen Mary 2», überragen auch die höchsten Gebäude des Städtchens. «Kreuzfahrten boomen. Wir verlängern gerade die Kaianlagen auf 570 Meter», so Saxon. An die 100 Kreuzfahrtschiffe legen im Sommerhalbjahr in Ålesund an.

ALESUNDDas JugendstilmuseumFotoBMeier82011

Das Jugendstilmuseum

Neben dem Bummel vorbei an den Jugendstilfassaden durch Ålesunds Zentrum führen Tagesausflüge zum Geirangerfjord, der wegen seines einmaligen Landschaftsbildes seit 2005 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Besonders imposant ist die kleine Kreuzfahrt – von Ende Juni bis 20. August täglich – mit dem Hurtigruten-Linienschiff in den engen Meeresarm. Vorbei an steilen Felswänden, prasselnden Wasserfällen, winzigen Weilern und einsamen Gehöften wird mittags Geiranger erreicht. Dort werden die Ausflügler ausgebootet, steigen um auf eine Fjordfähre, fahren eine Teilstrecke mit dem Linienbus und erleben auf der Rückfahrt noch den Hjørundfjord. Naturliebhaber zieht es zur Vogelinsel Runde, auf der Papageientaucher, Trottellummen und Basstölpel brüten. Mit dem Fernglas lassen sich die Seevögel gut beobachten. Im Sommer werden täglich Touren mit Hochgeschwindigkeits-Schlauchbooten nach Runde angeboten.

ALESUNDJugendstilhausBMeier82011

Typisch Jugendstil

Spektakulär verläuft die Anfahrt zum kleinen Leuchtturm Alnes Fyr auf der Insel Godøya – ein kleiner Ausflug von Ålesund aus. Auf der 23 Kilometer langen Route dorthin werden drei Tunnel unter dem Meeresgrund passiert, jeder knapp vier Kilometer lang. Mit acht Prozent Gefälle und Steigungen geht’s durch die Röhren.

Im Leuchtturm öffnet nachmittags ein kleines Café. Bei schönem Sonnenwetter sind am Horizont die riesigen Frachter auf dem Nordatlantik zu sehen.

ALESUNDFischereimuseum82011

Das Fischereimuseum

Weitere Informationen

Anreise

Mit dem Flugzeug

Über Oslo nach Ålesund-Vigra. Flugpläne: www.sas.no und www.wideroe.no

Mit dem Zug

Von Oslo bis Åndalsnes, 120 Kilometer entfernt. Von dort weiter mit dem Linienbus. Fahrpläne: www.nsb.no und www.nettbuss.no

Mit dem Auto

Von Oslo über die E6 bis Dombås und auf der E136 über Ørskog und Skodje nach Ålesund. Entfernung Oslo-Ålesund über 500 Kilometer. Nach Oslo Direktverbindung mit den Fähren von Color Line ab Kiel, www.colorline.de. Autofahrer sollten sich unbedingt an die Verkehrsvorschriften halten (Promillegrenze: 0,2 – Tempolimit: 80 km/h). Verstöße werden sehr drastisch bestraft.

Reisezeit

Sommersaison von Mai bis Anfang September. Hochsaison ist in den norwegischen Sommerschulferien 22. Juni bis ca. 22. August.

Unterkünfte

Zehn Hotels in der Innenstadt. Standplätze für Wohnmobile in der Nähe des Hurtigruten-Kai. Mehrere Campingplätze mit Hütten. Ålesund ist – wie Norwegen insgesamt – teuer. Die Hotelpreise schwanken von Tag zu Tag. Ratsam sind Online-Buchung und Online-Preisvergleich. Parkplätze sind rar.

Informationen

Norwegisches Fremdenverkehrsamt/Innovation Norway,
Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg
Tel.: 040 – 22 94 15 0
E-Mail: hamburg@innovationnorway.no
www.innovasjonnorge.no

Touristeninformation Ålesund und Sunnmøre,
Skateflukaia, N 6002 Ålesund
Tel. 0047 – 70 15 76 00
info@visitalesund.com

Internet

www.visitalesundgeiranger.com/de/
www.jugendstilsenteret.no
www.fjellstua.no
www.fjord1.no
www.hurtigruten.de

ALESUNDLeuchturmAlnesFyrMeier82011

ALESUNDHurtigrute

Weitersagen

Schreiben Sie einen Kommentar