Vancouver: Kreuzfahrt auf Schienen


Mit dem Luxus-Zug von Vancouver in die Welt der schroffen Berge

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Langsam kurvt der Rocky Mountaineer am Fraser River entlang. Drei Stunden nach der Abfahrt in Vancouver naht der erste Höhepunkt der Reise vom Pazifik in die raue Bergwelt der Rocky Mountains: Hell’s Gate – das Tor zur Hölle.

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Hell’s Gate ist die engste Stelle des über 1.300 Kilometer langen Fraser River. Über 900 Millionen Liter Wasser strömen pro Minute durch die nur 33 Meter breite Schlucht. Kameras und Handys werden gezückt, dann ist die Engstelle passiert und der Rocky Mountaineer gewinnt wieder an Tempo.

Die 400 Reisenden an Bord haben sich inzwischen bekannt gemacht: Gäste aus den USA, aus Australien, Neuseeland, Indien und Kanada genießen die zweitägige gemächliche Fahrt unter dem Motto „First Passage to the West“. Die Strecke wird seit 1990 befahren und ist die Beliebteste.

Auf dieser Route rollt der Zug von Vancouver mit Zwischenstopp in Kamloops durch die Provinz British Columbia nach Lake Louise und Banff in den Rocky Mountains. Die Reise mit dem ausschließlich Touristen vorbehaltenen Luxuszug gilt unter Eisenbahnfreunden als eine der Touren, die man einmal im Leben gemacht haben sollte. Manch einer feiert auch einen besonderen Anlass.

Bei der feudalen Kreuzfahrt auf Schienen geht es nicht um Geschwindigkeitsrekorde. Vielmehr ist der Weg das Ziel: Für das 460 Kilometer lange Teilstück des ersten Tages von Vancouver bis Kamloops benötigt der Rocky Mountaineer rund neun Stunden. Immer wieder überholt der Zug auf der eingeleisigen Strecke an Ausweichen riesige Güterzüge, die eine Länge von bis zu drei Kilometer aufweisen. Drei Dieselloks bewegen diese Monster auf Schienen.

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Die Fahrt entlang des Fraser River auf den Schienen der Canadian Pacific Rail (CP Rail) führt zurück in die Historie der kanadischen Eisenbahnen. Die Strecke der CP Rail wurde 1885 gebaut. 30 Jahre später kam als Wettbewerber die Canadian National Railway (CN Rail) in das Gebiet. Da in dem engen Tal nicht genug Platz war für ein zweites Gleis auf der gleichen Uferseite, musste die CN Rail ans andere Ufer ausweichen. „Beide errichteten dann bei Cisco Brücken über den Fluss“, erläutert Zugbegleiter Ephraim den Reisenden. 247 Meter lang ist die orangefarbene Brücke der CN Rail und damit das längste Bauwerk der Eisenbahngesellschaft.38_X_FRASER_RIVER._Kühne_Konstruktion_die_CISCO_Brücke_247_Meter_langüber_den_Fraser_River.F.B.Mei

An Bord mangelt es an nichts. Doch wie zu Urzeiten bei Bahnreisen üblich, gilt im Rocky Mountaineer die drei-Klassen-Gesellschaft: Passagiere der dritten Klasse (Red Leaf Service) begnügen sich mit kalten Snacks, die 2. Klasse (Silver Leaf Service) reist in einstöckigen Panoramawagen. Reisende der 1. Klasse rollen mit dem Gold Leaf Service luxuriös durch das wilde Land. Vom Hoteltransfer und Gepäckservice über kostenlose Drinks und Snacks bis zu offenen Aussichtsplattformen der zweistöckigen Panoramawagen mit Glasdach reicht das Verwöhnangebot.

 

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In einer winzigen Bordküche bereiten die Köche alle Speisen frisch zu. Zum Frühstück das Omelette mit Mozzarella, geräuchertem Schinken, Röstkartoffeln, Pilzen und Tomaten, oder doch lieber die Buttermilch-Pancakes? Auch zum Mittagslunch wird Feines aufgetischt – Lachs auf einem Gemüsebett, wahlweise gibt es auch Hühnerbrust oder Risotto.

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„Sit and relax! Wir werden zwei Tage Spaß miteinander haben und eine Menge sehen“, hatte Zugbegleiter Ephraim kurz nach der Abfahrt in Vancouver versprochen. Und tatsächlich, irgendwann ruft er plötzlich: „Links, im Wald – ein Bär.“

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Der nächste Morgen nach einer Hotelnacht in Kamloops starten die Shuttlebusse zum Bahnhof, pünktlich um 6.45 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung, rollt vorbei an Seen auf Revelstoke zu. Dann verlangsamt sich die Fahrt, wird zum Schritttempo am historischen Ort Craigellachie: Am 7. November 1885 wird hier feierlich der letzte Schienennagel eingeschlagen. Damit gibt es erstmals eine transkontinentale Schienenverbindung quer durch Kanada. Ein kleines Denkmal erinnert an diesen großen Tag.

Ab Revelstoke dieseln die 3.000 PS starken Zweitakt-16-Zylindermaschinen der beiden Loks in Volllast. Kurve um Kurve windet sich der Schienenstrang hinauf zum Rogers Pass, 1.327 Meter über dem Meeresspiegel. Die Passhöhe markiert die Grenze zwischen den beiden Provinzen British Columbia und Alberta und ist auch Zeitzonengrenze: Die Uhren werden eine Stunde vorgestellt, von nun an gilt die Mountain Standard Time (MST).

Die Herzen von Technikfreunden schlagen hinter Fields höher: In zwei Kreiskehrtunneln nach dem Schweizer Vorbild der Biaschina-Schlucht überwindet die Bahn spiralförmig den 13 Kilometer langen Abschnitt „Big Hill“. Im Jahr 1907 bauten 1.000 Männer 20 Monate lang an diesem Teilstück, über eine halbe Million Kubikmeter Gestein wurde aus dem Fels gesprengt. So dreht sich der 993 Meter lange obere Tunnel um etwa 250 Grad und endet gut 15 Meter höher als der Eingang. Der untere Tunnel misst 916 Meter, kehrt sich um 230 Grad und endet 17 Meter höher als der Eingang.

Ziemlich unspektakulär ist die Ankunft im Bahnhof von Lake Louise auf einer Höhe von 1.615 Metern. Und doch hat das klobige Holzgebäude Geschichte geschrieben – Filmhistorie. Zugguide Ephraim: „Es war Kulisse in Doktor Schiwago.“

Trutzig erhebt sich das ab 1913 von der Eisenbahngesellschaft erbaute Grandhotel Fairmont Château Louise am Ufer des Gletschersees, in dem die Reisenden abschließend übernachten. Eingerahmt von den schneebedeckten Dreitausendern der Rocky Mountains erinnert das imposante Panorama ein wenig an den Königsee bei Berchtesgaden.

Rocky Mountaineer

Anreise und Formalitäten:
Direktflüge ab Frankfurt mit Air Canada, Air Transat, Condor und Lufthansa nach Vancouver, Flugzeit etwa zehn Stunden. Umsteige-
flüge über Amsterdam und London.
Zur visumfreien Einreise und zum Aufenthalt bis maximal sechs Monate genügt der deutsche Reisepass. Der deutsche Führerschein
wird akzeptiert.

Reisezeit:
Der Rocky Mountaineer verkehrt von April bis Oktober. Es gibt über 45 Reisepackages – von der Tagestour (Vancouver-Whistler) bis zur 14-Tage-Reise. Zur Zugflotte gehören 90 Waggons und neun Loks.

Preise:
Die 2-tägige Zugreise „First Passage to the West“ von Vancouver nach Lake Louise/Banff inklusive 1 Hotelübernachtung in Kamloops sowie 2 mal Frühstück und Mittagessen ist ab 762 Euro buchbar.
4-tägiges Paket „Classic First Passage to the West“ von Vancouver nach Banff inklusive
3 Hotelübernachtungen in Vancouver, Kamloops und Banff, 2 mal Frühstück und Mittagessen, Transfers und National Park-Ticket ab 838 Euro pro Person.

Die Züge fahren ausschließlich tagsüber.
Das Gepäck reist per Lkw voraus. 2014 gibt es den Bordservice an einigen Reiseter-minen erstmals auch in deutscher Sprache.

Klima:
Im Sommer (Juni bis August) in Vancouver 18 bis 27 Grad bei hoher UV-Strahlung.
Die Bezahlung mit Kreditkarten ist üblich. Geldautomaten akzeptieren EC-Karten.

Zeitverschiebung:
Je nach Jahreszeit
9 Stunden zurück.

Destination British Columbia
Tel. 0 18 05 – 52 62 32
info@infokanada.de
www.BritishColumbia.travel
www.rockymountaineer.com
www.tourismvancouver.com

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