Sauna mit Alpenblick


Geheimtipp im Rupertiwinkel

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Doch, es gibt sie noch, die touristischen Geheimtipps, die von Mund zu Mund weitergegeben werden, und wo man die Ruhe genießen kann, während ein paar Kilometer weiter der Bär im Kettenhemd boxt. Beispiel: Holzhausen im Rupertiwinkel. 

Um dorthin in die Südostspitze Deutschlands zu gelangen, ist zunächst Autobahnfahrt angesagt, die sich ungeplant in Stadtverkehr verwandelt, um mehrere Staus auf der Umfahrung von München links liegen zu lassen. Später links Panoramablicke auf den Chiemsee, während sich rechter Hand die Alpen nähern. Aber unser Weg bleibt im lieblich-hügeligen Voralpenland. Der Gastgeber vor Ort wird später anlässlich einer Führung durch sein Haus sagen, man befinde sich in der bayerischen Toskana. Der Vergleich mit Italien ist zwar viel strapaziert, und natürlich fehlen die Zypressen. Aber der Baustil von Gut Edermann erinnert in der Tat in seinen Dachkonstruktionen und der sonnigen Farbgebung der Fassade an Italien.


Ein paar Kilometer entfernt
liegt der wärmste Badesee Bayerns

Hier hat der Stöberl Michael, der jahrelang die Waden der Eisschnellläufer beiderlei Geschlechts in Österreich, Deutschland und Norwegen in Olympia- und WM-Form brachte, in den letzten fünf Jahren ein 100-Betten-Hotel aufgebaut (www.gut-edermann.info). Er konnte auf eine Tradition zurückgreifen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, als hier ein bäuerliches Anwesen und ein »Gasthaus zur schönen Aussicht« betrieben wurden. Diesen sehenswerten Blick hat man bis heute von allen Gästezimmern in Richtung Osten und Süden.

Die hiesigen Inhaber handelten immer nach dem Grundsatz, dass Stillstand gleich Rückschritt ist. Sie bewirtschafteten von den 1920er-Jahren an einen Molkereibetrieb und vermieteten Unterkünfte, die damals Fremdenzimmer hießen. Nach dem 2. Weltkrieg entstand das Kurhotel Seidl, das mit Moorbädern und Kneipp‘schen Wasseranwendungen im Dienste der Gesundheit tätig war. 

Mit der ersten Gesundheitsreform, die ein gewisser Herr Seehofer verantwortete, hatte es mit dem Kurbetrieb ein Ende. Der heutige Hoteldirektor Stöberl wagte den großen Sprung ins Wellness-Zeitalter: In nicht weniger als fünf Saunen – teilweise mit Alpenblick – könnten alle Gäste gleichzeitig im Zwanziger-Pack schwitzen, wenn sich ein Teil von ihnen im Naturteich abkühlte, oder im Schwimmbad ihre Bahnen zöge.  

Dem einfallsreichen Hausherrn ist es zu verdanken, dass man in einer Kunstgalerie wohnt: Rund sechzig Gemälde werden von alljährlich wechselnden Künstlern im ganzen Gebäude ausgestellt und können käuflich erworben werden. Eine gehobene Küche ist heutzutage Ehrensache, aber wer zur Abwechslung mal zur Mittagsstunde Deftiges in einem urigen bayerischen Wirtshaus zu sich nehmen möchte, dem gibt der Gastgeber freimütig Auskunft, empfiehlt etwa die Alte Post im nahen Teisendorf, wo es genau zugeht, wie es sich der Besucher von weither vorstellt. Wer davon nicht genug bekommen kann, findet ein paar Kilometer weiter im Hofbräuhaus Traunstein eine ganz ähnliche Atmosphäre und Speise- und Getränkekarte: Wir sind im Bierland Bayern. 

An sonnigen Tagen wartet der wärmste Badesee Bayerns, der Waginger See, nur ein paar Kilometer entfernt auf Schwimmer, Segler und Tretbootfahrer. Mitten auf der Seeterrasse des Strandkurhauses in Waging ist man auf drei Seiten von Wasser umgeben – der richtige Platz für einen Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Wer ein wenig Abwechslung von der ländlichen Abgeschiedenheit des Rupertiwinkels sucht, der braucht nur rund eine halbe Autostunde bis nach Bad Reichenhall, Berchtesgaden oder Salzburg. 

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