Rodeln und Schneeschuhwandern in der Tiroler Wildschönau


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„Niemals die Leinen loslassen. Sonst saust dir der Rodel davon und du schlitterst in den Tiefschnee“, rät Rodelfan Rainer Silberberger seiner kleinen Gästegruppe. Von Auffach sind die Kufenkratzer mit der Gondelbahn zum Schatzberg hinauf gefahren. Neben den Skipisten beginnt an der Bergstation die Rodelbahn nach Thierbach, von 1.850 Meter hinunter auf 1.200 Meter. Die Route auf der breiten, präparierten Forststraße teilen sie sich mit Skifahrern und Snowboardern.

Für die Neulinge auf den Schlitten heißt das: „Aufpassen und Rücksicht nehmen.“ Skiläufer und Boarder sind allemal schneller. Elegant um die Kurven zu lenken, nicht gleich im Tiefschnee am Abhang zu landen, das erfordert anfangs ein wenig Geschick. Und wie war das noch mal mit dem Bremsen? Von Kurve zu Kurve wird die Fahrt schneller, Lenken und Abbremsen gelingen immer besser. Und dann ist es doch noch passiert: Wie von selbst steuert der Schlitten seitwärts in den Tiefschnee. Da hilft nur eines: Hinein in das lockere Weiß, Schlitten fassen und weiter geht‘s talwärts nach Thierbach.

Nur 160 Einwohner und doppelt so viele Kühe leben in dem idyllischen Bergdorf mit den Bauerngehöften, Kirche, Schulhaus und zwei Gasthäusern. Der Gasthof Sollererwirt weist eine jahrhundertealte Geschichte auf. In der original erhaltenen Speckbacherstube rief 1809 ein Getreuer des Freiheitskämpfers Andreas Hofer zum letzten Widerstand gegen Napoleon und die Bayern auf. Er formierte die wehrhafte Truppe der „Sturmlöder“, die auch heute noch in Erinnerung an den historischen Kampf zu besonderen Anlässen mit Mistgabeln und Sensen, in braun-roter Kluft mit Schlapphüten, ausrücken.

Vergangenheit – die Rodler genießen die heimelige Wärme des Wirtshauses und Rodelfan Silberberger schwärmt: „Rodeln ist neben einer zünftigen Schneeballschlacht das preiswerteste Wintervergnügen und weckt Erinnerungen an die Kindheit.“ In den letzten zehn Jahren sei der alte Spaß aufs Neue entdeckt worden.

Das gilt auch für das Schneeschuhwandern, zu dem Wanderführer Hans Hotter im Tiefschnee unterwegs ist. Eben noch ratterte der Sessellift auf den Lanerköpfl bei Niederau, doch schon nach 200 Metern hinein in das Winterwunderland am benachbarten, 1731 Meter aufragenden Roßkopf ist es still. Ganz still, nur das Knirschen des Schnees ist zu vernehmen – so klingt der Winter in Tirol.

Weit geht der Blick über die Wildschönau hinüber ins Inntal und zu den Kitzbüheler Alpen. Drei Stunden werden die Wanderer unterwegs sein und keinem Menschen begegnen. „Auf Schneeschuhen kommst du an Plätze, die selbst Skiwanderer nicht erreichen“, weiß Bergführer Hotter aus Erfahrung. Doch der Experte warnt auch vor zuviel Leichtsinn: „Als Anfänger machst du am besten eine geführte Tour mit.“

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