PS-Kneipe vor den Hügeln der Cotswolds


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Ein Bentley und zwei Rolls-Royce stehen auf dem Hof, daneben drei dick mit Dreck verkrusteten Land Rover, von denen noch der Schlamm tropft, ein paar heiß gemachte Autos vom Stil des Subaru Impreza WRX oder der Mitsubishi Lancer Evo und natürlich dürfen auch Porsche & Ferrari nicht fehlen. Und das, obwohl wir mitten in der englischen Provinz sind, London zwei Stunden entfernt liegt und es auch nach Birmingham ein gutes Stück zu fahren ist: Willkommen in den Cotswolds, bei »Caffeine & Machine«, dem jüngsten Hotspot der britischen PS-Szene.

Hier hat Phil McGovern im Herbst 2018 die PS-Kneipe im bislang noch EU-europäischen Ausland eröffnet. Auf dem platten Land, umgeben nur von Weiden, Wäldern und vor allem einem großen Parkplatz. Zentrale Anlaufstelle ist eine riesige Chromtheke, auf der eine Espressomaschine thront, gegen die selbst der W12-Motor aus dem Bentley vor der Tür wie ein Spielzeug wirkt. Irgendwie muss die Kneipe ihrem Namen ja gerecht werden. Drum herum in den ehemaligen Wohn- und Schlafzimmern des alten Herrenhauses stehen Stühle, Sessel und Sofas und vor allem viele PS-Devotionalien, vom Käfer-Chassis über ein Rennmotorrad bis hin zu halben Motoren und anderen Autoteilen. Und natürlich hängen die Wände voll mit Rennplakaten und allem, was McGovern als »Automotive Art« bezeichnet.


wie ein Freizeitzentrum für große Kinder

Über mangelnden Zuspruch kann sich der Wirt und Wagenmeister nicht beklagen. Nach fast einem Jahr weiß Phil McGovern, welche Anziehungskraft Caffeine & Machine auf die Kaffeefahrer hat: „Das ist wie ein Freizeitzentrum für große Kinder. Viele fahren Hunderte von Meilen“, hat er gelernt, „und immer wieder treffen sich hier irgendwelche Clubs, um nach einem gemeinsamen Brunch oder Lunch zu einer Ausfahrt zu starten.“ Spätestens da wird die, nun ja, provinzielle Lage zum Vorteil. „Wir haben die schönsten Straßen von ganz England direkt vor der Haustüre“, sagt McGovern und lässt den Blick über die Hügel der Cotswolds schweifen.

Die locken offenbar Petrolheads aller Couleur: Es kommen die Superreichen im Lambo, Ferrari oder Maserati genauso wie Eigner von Lancia, Ford oder Rover, es gibt die Tuning-Fraktion mit aufgemotzten Hotrods und wild bespoilerten Kleinwagen und die Puristen, die mit piekfeinen Oldtimern heran tuckern. Und weil Land Rover, Jaguar und Aston Martin nicht weit sind, stehen sogar immer mal wieder getarnte Prototypen auf dem Hof. „Irgendwo müssen die Entwickler ja mal eine Pause machen bei ihren Testfahrten“, lacht McGovern.

Obwohl das Café erst seit einem guten halben Jahr geöffnet hat, gibt es bislang noch nicht viel, was es noch nicht auf seinem Parkplatz gegeben hat, sagt McGovern und beginnt eine Aufzählung, die aus Pebble Beach nicht imposanter klingen könnte: Von Ruf bis Pagani, von Bugatti bis Bentley waren sie schon alle hier, das älteste Auto war ein Model A von 1920 und das jüngste der Aston Martin DBX, der erst im nächsten Jahr präsentiert wird. Und selbst wenn mal ausnahmsweise kein Gast da ist, steht ein spektakuläres Auto im Hof: Schließlich fährt McGovern einen Porsche 911 RSR aus der Generation 993, der selbst schon eine Schau ist.

Zwar freut sich der Wirt unbändig über den Erfolg, doch bereitet ihm der Zuspruch zunehmend ein Problem, mit dem er hier draußen auf dem Land am allerwenigsten gerechnet hätte. Obwohl sie schon drei Mal erweitert haben, gehen ausgerechnet der Autofahrer-Kneipe schlechthin gerade die Parkplätze aus.

caffeineandmachine.com
The Houndshill
Banbury Road
Ettington Warwickshire

Fotos SI Medlicott

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