Porto Santo: Ruhe statt Rummel


Sand, soweit das Auge reicht

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Am Berghang des Pico de Ana Ferreira wird die Urgeschichte von Porto Santo sichtbar. „Wir bezeichnen das Gestein als unsere Orgelpfeifen“, erläutert Higino Santos den Mitfahrern bei einer Inselrundfahrt im Jeep. Vor Urzeiten sprudelte glühend heiße Lava nach oben. Später erkaltete die Masse und hinterließ eigentümliche Spuren. Vor etwa 20 Millionen Jahren entstand das felsige kleine Eiland im Atlantik, das heute als »Madeiras kleine Schwester« bezeichnet wird.


Einer der größten Sandstrände Europas

Die Geschwister könnten kaum kontrastreicher sein: Während die Blumeninsel Madeira in üppigem Grün schwelgt, zeigt Porto Santo karge Felsformationen. „Doch sobald die Sonne auf die Berghänge scheint, schimmern sie Gelbgold. Porto Santo heißt deshalb auch Ilha Dourada »die goldene Insel«, erklärt Guide Santos.

Das trifft noch mehr auf den goldgelben Strand zu, weshalb die meisten Urlauber als Badegäste auf die Vulkaninsel reisen. Er zählt zu Europas größten Sandkisten: Neun Kilometer lang und etwa 30 Meter breit – Sand, soweit das Auge reicht. Die Urlauber kommen aus Nordeuropa und auch aus Madeira. Dessen Bewohner pendeln am Wochenende gerne hierhin, da es bei ihnen so gut wie keine Badestrände gibt.

Viel Strand, wenig Trubel: Lange Strandwanderungen bis zur Felsenspitze von Calheta im Süden füllen auch Tage ohne Badewetter aus. Ab Juli bis September hinein können sich die türkis schimmernden Atlantikwellen auf bis zu 26 Grad erwärmen.

Das Leben geht einen friedvollen Gang. „Hektik ist für uns ein Fremdwort“, versichert Higino Santos. Die meisten Insulaner leben in Vila Baleira. Hier hatte sich einst auch der berühmteste Einwohner niedergelassen: Christoph Kolumbus lebte vor über 500 Jahren auf Porto Santo. Der Genueser heiratete hier Filipa Moniz, die Tochter des Inselgouverneurs. Versteckt hinter der Pfarrkirche Nossa Senhora da Piedade liegt das Anwesen, in dem der Entdecker angeblich gewohnt haben soll. Gesichert ist das nicht, jedenfalls stammt das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert. Es beherbergt das Kolumbus-Museum, eine der Sehenswürdigkeiten der Insel.

Mit dem Leih-E-Bike lässt sich Porto Santo erfahren; ein Auto wird nicht benötigt. Abstecher führen in die Ortschaft Camacha zum privaten Volkskundemuseum. José Cardina Melim hat die Sammlung aus alten Acker- und Haushaltsgerätschaften zusammengestellt. „Damit will ich ein Stück Inselgeschichte erhalten“, sagt Melim. Einer der Schätze sind seine Mini-Windmühlen. Im Maßstab 1:5 hat er die ehemals für das Eiland so typischen Getreidemühlen nachgebaut, von denen es früher 40 auf der Insel gab. Geblieben sind nur wenige: Drei stehen nahe des windigen Aussichtspunktes Portela.

Fotos Bernd F. Meier

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