Mit dem Game-Computer auf Spurensuche


KÜS Gutachter setzt hochmoderne Software zur Unfallrekonstruktion ein

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Ein Audi A6 fährt auf eine Landstraßenkreuzung zu. Mit Tempo 70, wie der Fahrer behauptet. Als er die Kreuzung passiert, kracht ein VW Golf in die Flanke. Der Audi überschlägt sich und bleibt im Graben liegen. Der Fahrer des Golf wollte links abbiegen und erklärt, er hätte den Audi gar nicht sehen können. Der Kombi sei viel zu schnell aus dem Wald gerast. Wer hat recht?

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Um die Schuldfrage zu klären, werden KÜS Gutachter wie Dr. Marcus Berg aus Paderborn gerufen. Der Unfallexperte nutzt modernste Software, um den Unfall technisch zu rekonstruieren. Marcus Berg sagt: „Wir setzen das PC Crash ein. Ein von Prof. Dr. Hermann Steffan von der TU Graz entwickeltes Programm, das mir hilft, anhand von Tatortfotos und verschiedenen Parametern den Unfallhergang zu ermitteln.“ Der Clou: Aus Tatortbildern, die von der Polizei auf der Straße aufgenommen werden, können anhand des Kamerawinkels sogar Luftbilder künstlich erstellt werden. Somit können Brems- und Schleuderspuren genau analysiert werden.

Im vorliegenden Fall wurde von Dr. Marcus Berg errechnet, dass der Audi mit 94 km/h statt der erlaubten 70 unterwegs war. Schuld am Unfall hatte er dennoch nicht. Selbst mit 70 km/h hätte er den linksabbiegenden Golf noch getroffen. Die Gutachter sprechen von räumlicher und zeitlicher Unvermeidbarkeit.

Und auch selbst mit 94 km/h konnte der VW Golf Pilot den herannahenden Audi erkennen. Er wäre nur 0,21 Sekunden später im Blickwinkel des Linksabbiegers aufgetaucht – für den Unfall irrelevant. Der Golf-Fahrer hat den Audi rechtzeitig gesehen und hätte als Linksabbieger den Audi im Gegenverkehr vorbeifahren lassen müssen.

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Der Fall ist geklärt. Doch Dr. Marcus Berg betont: „Die Programme sind nur das Werkzeug. Sie ermitteln keine Unfallursache. Die Schlüsse aus den Bildern und Daten muss immer noch der Gutachter ziehen.

In einem weiteren Fall geht es wieder um einen Linksabbieger. Diesmal hat ein Traktor mit Schafanhänger die Fahrbahn gekreuzt, auf der ein Mercedes Kombi unterwegs war. Der Treckerfahrer behauptet, er hätte kein entgegenkommendes Fahrzeug gesehen. Der Mercedes sei viel zu schnell gewesen. Tatsächlich aber wird eine Geschwindigkeit für den Benz von 70 bis 100 km/h ermittelt. Ausweichen war für ihn nicht möglich, da der Trecker beide Spuren beim Abbiegen blockierte.

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Für den Mercedes-Fahrer stellt sich übrigens optisch zunächst keine Gefahr dar, wenn ein Trecker mit Blinker auf der Gegenspur wartet. Ein optisches Gefahrensignal setzt für den entgegenkommenden Verkehr erst ein, wenn er ein rollendes Rad oder ein Einschwenken in seine Fahrbahn bemerken kann, was beim Trecker spät zu erkennen war. Erst ab diesem Zeitpunkt beginnt die Reaktionszeit, im Schnitt 0,7 Sekunden. Danach braucht der Benz 0,2 Sekunden bis zum maximalen Bremsdruck bei einer Gefahrenbremsung. Für den Mercedes kam der abbiegende Traktor also überraschend. Der Treckerfahrer hingegen muss mindestens 190 Meter freie Sicht auf den herankommenden Mercedes gehabt haben. Der Bauer trägt also die Schuld am Unfall.Wahrscheinlich war der Landwirt abgelenkt und hat deshalb den Mercedes übersehen. Der Unfall ging übrigens glimpflich aus.

Als Hardware setzt Dr. Marcus Berg übrigens auf Gaming-Computer. Denn die hohen Anforderungen an die Rechnerleistung und die Grafikkarten sind bei PC Crash die gleichen wie bei den neuesten Computerspielen. Gaming Anforderungen mit einem ernsten Hintergrund.

Links:
www.tpue.de
www.dsd.at

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