Eselwanderungen: Unterwegs in Limousin


Alles andere als störrisch

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„Arrête!“ Kaum ist die Aufforderung zum Stehen bleiben gesprochen, schon verharrt Maurice, ein braver, aber keinesfalls außergewöhnlicher Esel. Er gehört zu einer Herde von 20 Vierbeinern, die am Rande des Örtchens Peyrat-le-Château in der französischen Region Limousin zuhause sind. Dort haben Christophe Plateau und sein Partner Olivier Gebelin einen alten Bauernhof in eine Eselfarm umgewandelt. Die Tiere sind alles andere als störrisch, sondern von ihren Besitzern wohlerzogen: Willig setzen sie sich auf leichten Zug an der Führleine in Bewegung, nach einigen Stunden gemeinsamen Wanderns an den Ufern der Flüsse Maulde und Vienne sogar aufs Wort.

In ärmeren Ländern werden Esel oft kriminell und gesundheitsschädigend überladen – verständige Menschen geben ihnen nicht mehr als 35 bis 40 Kilogramm zu tragen und verteilen die Last gleichmäßig auf beide Satteltaschen. Esel schreiten gemächlich voran, lieben eher das Spaziertempo denn den Eilmarsch. Tagestouren zwischen zwölf und achtzehn Kilometer werden vorgegeben, die sich an den Übernachtungsmöglichkeiten in Gasthöfen und Privatunterkünften orientieren.

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Die Ankunft ist allemal eine spannende Sache: Wer und was erwartet einen hinter dem nächsten Hügel, wo werden die Esel die Nacht verbringen, die sich vor lauter Freude erst einmal genüsslich wälzen, wenn sie von Packsatteln und -taschen befreit sind? Das kann ein Gasthof in der Ortsmitte sein, dessen Wirtsleute das bescheidene Äußere des Hauses durch große Herzlichkeit und schmackhafte Küche wett machen. Auch eine Übernachtung bei einem Engländer ist möglich, der mit seiner amerikanischen Frau ein altes Gut gekauft und wieder in Schuss gebracht hat, wo die Esel auf einer großen baumbestandenen Wiese die Nacht mindestens ebenso komfortabel verbringen wie ihre Führer im Landhaus. Oder eine ältere Dame von Welt, die sich elegant eine Zigarette anzündet, während sie mit den Gästen plaudert, beherbergt einen mit romantischem Blick auf eine alte Mühle. Alles scheint möglich – bescheidene Französischkenntnisse erleichtern den Kontakt, oft helfen Gesten und ein freundliches Lächeln.

Wer noch mehr Abenteuer und weniger Zivilisation sucht, dem gibt Christophe Plateau ein Zelt mit, das man abends irgendwo am Ufer eines Baches oder Sees aufstellen kann, ohne dass es jemanden stört. Womöglich bemerkt es gar niemand, denn man begegnet oft stundenlang keiner Menschenseele. Bestenfalls eine Herde des hier ansässigen Limousin-Rindes folgt einem mit neugierigen Blicken.

Wie werden die laufwilligen Langohren auf der Tour ernährt? Esel suchen sich ihr Futter selbst, schlagen sich auf der Weide über Nacht den Bauch voll und halten auch unterwegs immer die Augen auf nach Fressbarem. Diese Eigenart hängt mit ihrer Herkunft aus öden Steinwüsten zusammen: Wenn man dort etwas findet, frisst man es am besten gleich auf. Den Wanderern händigen die Übernachtungswirte morgens ein Picknickpaket aus, weil’s unterwegs zwischen Wald und Wiesen nirgends Einkehrmöglichkeiten gibt.

Wer nach der Heimkehr in die Farm noch ein wenig in der Nähe der Esel verweilen möchte, der kann dies in einer Ferienwohnung tun oder – viel idyllischer – in direkt aus der Mongolei importierten Jurten oder in einem Zirkuswagen ganz aus Holz. Alle Unterkünfte wurden von den Gastgebern so ausgestattet, wie sie ihre Esel behandeln: liebevoll.

Informationen:

www.eselwandern-frankreich.de
contact@anes-de-vassiviere.com
(auf deutsch)

Limousin allgemein:
www.urlaub-limousin.de
wluet@crt-limousin.fr
(auf deutsch)

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