DIQ-Symposium 2019


Vom Motorsport zur Serie

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Techniktransfer aus dem Motorsport in die Serienproduktion von Fahrzeugen – der Sicherheit dienlich oder nur Sport und Spaß? Das war das Thema beim neunten DIQ-Symposium des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung (DIQ).

Vom Motorsport zur Serie

Präsident Peter Schuler und Geschäftsführer Thomas Koch (DIQ, vorne) mit den Referenten (v.l.n.r): Christian Menzel, Martin Flick, Daniel Pitsch, Hartmut Diel, Prof. Dr.-Ing. Harald Bachem, Dr. Ludwig Vollrath und Christoph Weber.

 


Gefragt sind Fachwissen,
wirtschaftliches Denken,
eine ganzheitliche Betrachtungsweise,
Teamfähigkeit und die Bereitschaft sich immer neuen
Herausforderungen zu stellen

Moderator und Leiter Harald Bachem, Professor an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfsburg und Vorstandsvorsitzender des Wolfsburger Instituts für Forschung, Innovation und Technologietransfer, gab einen kompakten Überblick über die verschiedenen Klassen im Pkw-Rennsport, die immerhin vom seriennahen Cup-Fahrzeug bis hochtechnischen Sportprototypen reichen. 

Am Anfang der Rednerliste stand ein Praktiker im Motorsport. 

Christian Menzel, wohnt am Nürburgring, dessen Nordschleife sein größtes Arbeitsgebiet darstellt. Er berichtete sehr unterhaltsam über den Werdegang hin zu seinem Traumberuf Rennfahrer. Dabei schilderte er sehr eindrucksvoll, wie etwa die Technik in einem Rennfahrzeug angepasst und schnell geändert werden muss. Dabei gehe es auch um die Serie, denn die Erkenntnisse, die unter Extrembedingungen gewonnen würden, fänden dort Eingang. Die heutigen Straßensportwagen sieht Menzel sehr nahe am Rennsport: Für die Rennerfolge und die in der Serie müssen Menschen zusammenarbeiten, sich ergänzen und dann ein »Gesamtpaket« in Sachen Optimierung abliefern.

Sportlich-technisch wurde es dann bei Hartmut Diel, seit 1993 bei Audi Motorsport zuständig für die Motorenentwicklung. 

Zu seinen Projekten gehörten
das V8-Triebwerk aus der alten DTM
der Jahre 1990 – 1993, 

vor allem aber die TDI-Dieseltriebwerke der erfolgreichen Audi-Prototypen für das legendäre Rennen in Le Mans. Von 2006 bis 2016 war Audi auf der Kultrennstrecke in der Sarthe unterwegs. Hartmut Diel sieht Le Mans als „Effizienztreiber im Motorsport“, wie er sagt. Im Laufe der Jahre sei es gelungen, eine Verbesserung der Energieeffizienz, also eine Einsparung, von fast 50 Prozent bei gleicher Performance zu erreichen. Audi Motorsport definiert der Motorenentwickler klar als Teil der technischen Entwicklung von Audi.

Christoph Weber ist bei der Volkswagen AG für alle Fahrwerksumfänge in der E-Mobility-Baureihe verantwortlich. Er stellte den Modularen Elektrifizierungsbaukasten des Konzerns vor. Volkswagen will, so Christoph Weber, die E-Mobilität für die Straßenserie erschwinglich machen: 

„Nicht nur Millionäre
sollen elektrisch fahren können!“

Preis, Reichweite und Infrastruktur nannte Weber als Faktoren, welche die E-Mobilität derzeit vielfach noch unattraktiv machen. Alle drei Bereiche wurden von Volkswagen im Rahmen der Entwicklung des Baukastens adressiert mit dem Ziel, eine Gesamtentwicklung mit Einbeziehung aller Komponenten zu erreichen.

Martin Flick und Daniel Pitsch vertraten die Rennsportentwicklung von thyssenkrupp Bilstein. Martin Flick gab als Motorsportchef bei Bilstein einen kurzen historischen Überblick über die Technologie des Unternehmens, mit den Highlights im Motorsport. Der Porsche 953 und später 959 fuhren in den 80er-Jahren bei der Paris-Dakar mit Bilstein-Dämpfern. In der Formel 1
kam ein System zum Einsatz, das hydraulisch zusätzlich zur Dämpfkraft die Fahrzeughöhe anpassen konnte. In der Corvette, im Ferrari Mondial und im AMG Mercedes fanden die Systeme dann Anwendung in der Serie. Daniel Pitsch verwies auf moderne, sportlichen Autos: Sie haben häufig eine Fahrwerksverstellung hin zu Comfort, Medium oder Sport, so Daniel Pitsch. Auch einen Überblick über die eingesetzten Materialien lieferte der Referent. Ein Materialmix, etwa hochfester Edelstahl und Leichtmetall, bestimmt heute die Produktion. Aus Simulationen werden Optimierungen im Hinblick auf Material, Gewicht und Bauraum abgeleitet. 

Der I.D.3

Die Komplexität im Fahrwerksbau
wurde hier besonders deutlich.

Dr. Ludwig Vollrath, 2004 Initiator der Formula Student, berichtete über das inzwischen längst etablierte Format, einen internationalen Konstrukteurswettbewerb für Studenten. Es werden zwar Rennfahrzeuge gebaut, aber es ist keine Rennveranstaltung. Gefragt sind Fachwissen, wirtschaftliches Denken, viel Engagement ebenso wie eine ganzheitliche Betrachtungsweise, Teamfähigkeit, Delegationsfähigkeit und die Bereitschaft, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen. Entwerfen, konstruieren, bauen innerhalb eines Jahres – ein einsitziger Prototyp eines Rennwagens als Basis für eine fiktive Serie von 1.000 Fahrzeugen steht am Ende der Bemühungen. Der Kreativität ist, bis auf wenige sicherheitsrelevante Vorgaben, freier Lauf gelassen. Der Initiator sieht in der Formula Student eine hervorragende Möglichkeit der Förderung des Ingenieursnachwuchses.

Moderator und Leiter Prof.-Dr. Ing. Harald Bachem zog eine positive Bilanz der Veranstaltung und lud bereits zur Jubiläumsveranstaltung im kommenden Jahr ein. Sein Dank galt allen Beteiligten. Hochzufrieden mit dem neunten DIQ-Symposium zeigten sich auch Präsident Dipl.-Ing. Peter Schuler und Geschäftsführer Dipl.-Ing. Thomas Koch.

In der Serien-Corvette von Chevrolet kam ein System aus dem Motorsport zum Einsatz.

Fotos     DIQ

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