Busreisen: Havarie – und dann?


Alle raus im Reißverschluss

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Busse zählen zu den sicheren Verkehrsmitteln. Trotzdem: Wenn ein Unfall passiert, sind die Folgen oft dramatisch. Noch in Erinnerung ist der Reisebuscrash im Juli 2017 auf der Autobahn A9, bei dem 30 Menschen verletzt und 18 getötet wurden. Der Reisebus ist aufgrund von Unaufmerksamkeit des Fahrers auf einen Sattelzug aufgefahren und in Brand geraten. 

Neben Unfällen kam es in der Vergangenheit auch durch technische Defekte zu Busbränden. Zum Beispiel durch verschmorte Kaffeemaschinen oder Motorbrände. Das Problem: Das Busmobiliar ist viel leichter entflammbar als Sitze in der Bahn. Zwar wurde hier für Neufahrzeuge nachgebessert, die meisten Reisebusse, die derzeit auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, verfügen aber noch über die alten Sitzmodelle.

Wenn die Sitze einmal Feuer gefangen haben, kann es schnell zur Kettenreaktion kommen. Kunststoff brennt, tropft auf andere Materialen und entzündet diese ebenfalls. Sofern die Türen schlagartig geöffnet werden, besteht zusätzlich die Gefahr eines Flashovers: Das heißt, die unverbrannten Gase bekommen plötzlich Sauerstoff, entzünden sich und verwandeln das Fahrzeug in einen Feuerball. Bis die Feuerwehr vor Ort ist, vergehen in der Regel mindestens zehn Minuten. Auf verstopften Autobahnen auch länger, wenn keine Rettungsgasse gebildet wurde. Zu spät: In dieser Zeit haben sich aber längst giftige Brenngase wie Kohlenmonoxid, Blausäure, Stickoxide und Salzsäuregas gebildet. Es ist also überlebenswichtig, nicht auf die Feuerwehr zu warten, sondern einen Reisebus sofort zu evakuieren. 

Versuche haben gezeigt, dass alleine das Üben von Evakuierungen, die Aussteigezeit in Notsituationen von drei auf zwei Minuten verkürzen kann. In Flugzeugen sind Evakuierungshinweise, Rettungskarten und Bordvideos seit langer Zeit bereits Standard. In Zukunft soll sich die Brandsicherheit mit schwerer entflammbaren Materialien und serienmäßigen Motorlöschanlagen weiter verbessern. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) fordert zudem Notbremsassistenten, die Auffahrunfälle wie auf der A9 verhindern sollen.

Das Problem der engen Gänge und der hohen Aufbauten bleibt aber. Wenn die Feuerwehr die Scheiben einschlägt, kann sie die Insassen nur über Leitern retten. Bis zum Boden sind es mehr als zwei Meter Höhe.

Fünf wichtige Grundregeln:

• Keine persönlichen Gegenstände mitnehmen
• Im Reißverschlussverfahren in den Gang einordnen und aussteigen
• Menschen mit Behinderungen von draußen aus der Tür helfen
• Angurten und Abschnallen vor Antritt der Fahrt mehrfach üben
• Vor langen Reisen die Evakuierung des Busses mit dem Fahrer üben

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