Autos untergegangener Marken


Kauf: Fluch oder Segen?

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Das Ende großer Automarken kommt schleichend: Am Anfang stehen Geldprobleme. Meist wird ein großer Autohersteller als Investor gesucht. Der probiert sich dann am Implantieren von Gleichteilen. Zum Schluss verliert die Marke ihren Charakter und geht unter.

Lancia Zagato

keine Autos
als reines Garagengold
kaufen

So passiert mit Lancia. Noch 1983 fuhr Walther Röhrl der Rallye-Konkurrenz mit dem Lancia Rally 037 davon. Im Vize-Weltmeister-Wahn bringt Lancia 1986 den Delta HF4 WD Integrale (121 kW/165 PS) und 1987 den Delta HF Integrale (136 kW/185 PS) auf die Straße. Später gibt es sogar noch ein Lancia Thema 8.32 mit V8-Motor aus dem Ferrari 308. Doch alle Nachfolger floppen. Fiat streicht das Geld für neue Modelle. Die letzten Lancia sind Chrysler-Repliken mit Lancia Emblem. 2016 verschwindet die Marke, die Modelle wie Avanti und Zagato hervorbrachte, sang- und klanglos vom deutschen Markt. Während die Chrysler-Repliken auf dem Gebrauchtwagenmarkt vor sich hinvegetieren, gehen die Preise für den übermotorisierten Lancia Delta Integrale durch die Decke: Gute Exemplare sind fast kaum noch zu finden. Die Preise für das letzte Modell sind von 25.000 auf 100.000 Euro hochgeschnellt. Sind untergegangene Marken also die perfekte Wertanlage?

Youngtimer-Experte Jens Seltrecht (Garage 11, Hamburg) mahnt zur Vorsicht. Die mangelnde Ersatzteilversorgung ist das Hauptproblem der untergangenen Automarken: „Schlachtfahrzeuge gibt es heute nicht mehr.“ Meistens kümmern sich Autoclubs um die Organisation oder Nachfertigung von Teilen.

Prinzipiell rät Seltrecht, sowieso keine Autos als reines Garagengold zu kaufen. Für ihn sollte man nur ergattern, was man selbst schon immer gerne besitzen wollte: „Das kann auch der Renault 16 sein, mit dem Sie von der Tante früher zur Schule gefahren wurden. Wenn Sie den Wagen immer schön pflegen und gut warten, wächst er im Wert von ganz alleine.“

Schwierig wird der Werterhalt immer dann, wenn zu viel fremde Großserientechnik verbaut wurde. Womit wir bei einem weiteren Problem wären: Der Wiederverkauf. Denn niemand sucht im Internet nach den Marken. Manchmal fliegen sie sogar komplett aus den Suchmaschinen heraus. Nur auf Messen wie der Techno Classica gibt es dann noch Chancen, einen bereitwilligen Käufer zu finden.

Letzter Punkt: Die Werkstatt. Jens Seltrecht hat hier seine eigenen Erfahrungen gesammelt. 

Infrage kommen nur Schrauber, die noch mit Leidenschaft nach der Ursachen von Problemen suchen. Aktuelles Beispiel: Sein MG ZZT V8. Die untergegangene Marke gehörte wie Rover einst zu BMW. Von seinem Linkslenker Kombi wurden gerade mal 35 Exemplare beim Motorsport-Konstrukteur Prodrive in Handarbeit zusammengebaut. Als neuer Fronttriebler mit Vierzylinder wurde er bei Prodrive angeliefert. Als umgebauter Hecktriebler mit Mustang V8-Technik verließ er die Produktionshalle wieder. Gleich drei Autohersteller haben sich also im MG ZZT verewigt: Elektrik von BMW. Karosserie von Rover. Motor und Antrieb von Ford. 

 

MG ZZT

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