Straßenverkehr: Das schwierige Miteinander


DVR Seminar zur „Suche nach dem Körnchen Wahrheit“

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Hier ein „Vogel“, da ein „Stinkefinger“, manchmal tut‘s auch nur ein ganz profaner „Scheibenwischer.“ Wenn es darum geht, anderen Verkehrsteilnehmer das persönliche Missfallen über ihr Verhalten auszudrücken, ist unsereins im Nahkampf des Asphaltdschungels mitunter recht phantasievoll.

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Mit derlei Gebaren und der daraus resultierenden Frage nach dem Umgang miteinander beschäftigt sich auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) immer wieder. Ein entsprechendes Seminar des DVR führte zu der bemerkenswerten Feststellung:
Das rücksichtslose Verhalten der Verkehrsteilnehmern auf unseren Straßen hat sich in den letzten 20 Jahren erhöht.

An namhaften Referenten und Hochschul-Lehrern mangelt es dem obersten Verkehrswächter der Republik bei seinen öffentlichen Veranstaltungen nicht, um immer wieder besonders kritische Punkte zum Thema Mobilität anzusprechen.

Versuchen wir an dieser Stelle das Zahlenmaterial zu bewerten, mit dem uns diverse Verkehrs-Psychologen, Verhaltensforscher, Polizei-Direktoren und andere schlaue Leute versorgen und zwar aus der Sicht eines Beobachters. Der nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern auch hinterfragt.

Die registrierten Verkehrsverstöße in Deutschland sind seit 1993 von 2,8 Millionen auf 4,9 Millionen im vergangenen Jahr auf fast das Doppelte gestiegen, wurde dem Plenum auf dem letzten DVR-Seminar mitgeteilt. Das waren insgesamt, und das ist schon eine durchaus greifbare Zahl, etwa 13.500 Delikte pro Tag.

Es zeichne sich zwar einen steigenden Trend bei zu geringem Sicherheitsabstand ab, andererseits gehen aber Verhaltens-weisen wie Unfallflucht zurück.

Was steckt hinter diesem Zahlenpaket? Ist zwangsläufig auch der Umgangston untereinander unpersönlicher und rauer geworden, wenn es doch fast doppelt so häufig kracht auf Deutschlands Straßen: Oder anders herum gefragt: Hätte man die Zahl, die vor 20 Jahren kommuniziert wurde, im Gegenzug sogar senken statt erhöhen können, wenn ein bisschen mehr Gespür für den Anderen und ein wenig mehr gesunder Menschenverstand im Spiel gewesen wäre? Wenn man sich also etwas mehr Zurückhaltung auferlegt hätte. Ein „Scheibenwischer“, ein „Stinkefinger“ weniger: Kann sich so etwas auf die Unfall-Statistik auswirken?

Neigen Autofahrer, die sich über den Anderen, über dessen vermeintliche Rücksichtslosigkeit so aufregen und in Rage bringen, dazu, sich selbst in fehlerhaftes Verhalten hineinzusteigern? Oder, um es etwas populär-wissenschaftlicher auszudrücken: Setzt es bei Unsereinem im „Hirnkasten“ manchmal aus, wenn wir uns über Andere aufregen? Werden wir aggressiver, unvorsichtiger, ja fallen wir vielleicht in die gleichen Verhaltensmuster wie diejenigen, die wir ja eigentlich anprangern?

Wir werden es – trotz der vielen Studienergebnisse, Datensätze, Zahlenkolonnen und Schlussfolgerungen – wahrscheinlich nie herausfinden, weil für jeden von uns die Regel gilt: Es kommt auf den Moment, auf das persönliche Empfinden an. Darauf, wie wir auf Verhaltensweisen unserer Umwelt reagieren, wie wir sie empfinden und wie wir im wahrsten Sinne miteinander agieren. Erst Du, dann ich. Vielleicht liegt da dieses Körnchen Wahrheit, das oft weiter hilft. Erst denken, dann handeln. Gilt für beide Seiten!

Und wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, mir jetzt doch nicht glauben wollen: Also ehrlich, bei Ihnen piept’s wohl! Bescheuert, oder was? Am besten werfen Sie Ihren „Lappen“ in den Schredder…

Ernsthaft: Glauben Sie mir vielleicht doch?

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