Kennzeichen «D»: Deutsche Autofahrer im europäischen Vergleich


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Wir halten Alkohol am Steuer für gefährlich, wahren Sicherheitsabstand, blinken ordnungsgemäß, nehmen für Umwelt und Sicherheit den Fuß vom Gas und sind in Sachen Geschwindigkeitsübertretungen unschlagbar – Deutschland hat die besten Autofahrer in Europa, was unlängst mit der Umfrage zum «AXA Verkehrssicherheits-Report» belegt wurde.

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So viel vornweg: Deutsche Autofahrer sind gut, zumindest besser als viele ihrer europäischen Nachbarn, auch wenn beim einen oder anderen Thema deutlicher Nachholbedarf herrscht. Ihr eigenes Können schätzen bundesdeutsche Wagenlenker als gut ein (73 Prozent), was im Übrigen auch die anderen Fahrer Europas tun (67 Prozent). Auf heimischen Straßen, besonders auf Landstraßen, fühlen sich 83 Prozent der deutschen Autofa hrer sicher. Im Vergleich: Nur 75 Prozent der europäischen Autofahrer fühlen sich auf den Straßen ihrer Heimat sicher. Als gefährlichste Sünden im Straßenverkehr sehen 90 Prozent der deutschen Autofahrer, neben zu geringem Sicherheitsabstand, das Fahren ohne Sicherheitsgurt, Alkohol am Steuer und rechts überholen auf der Autobahn.

Rennfahrer-Gen vorhanden

Mit der Geschwindigkeitsbeschränkung innerhalb geschlossener Ortschaft halten es 49 Prozent der befragten deutschen Fahrer nicht so genau und geben zu, hin und wieder zu schnell zu fahren. Aber auch insgesamt sind deutsche Fahrer flott unterwegs und wähnen sich als Rennfahrer: Laut Statistischem Bundesamt gehen über 14 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden auf überhöhte Geschwindigkeit zurück! Der Renntrieb lässt sich offensichtlich auch nicht durch Blitzer zügeln, denn nur 39 Prozent lassen sich durch Radarkameras bremsen. Die übrigen Europäer zeigen mehr Respekt vor Kameras und 48 Prozent drosseln die Geschwindigkeit. Zwar fürchtet jeder Vierte die Flensburger-Kartei und fast alle befürworten die Maßnahmen, jedoch nur ein Fünftel lässt seinen Fahrstil davon beeinflussen. Allerdings sind Auto fahrende Bundesbürger (44 Prozent) davon überzeugt, dass Verkehrssünder ausreichend bestraft werden. Eine ganz andere Meinung hingegen haben andere europäische Autofahrer, beispielsweise die Italiener: Handy-Sünder müssen mit bis zu 600 Euro Strafe rechnen und dennoch sind die Südeuropäer der Überzeugung, dass dieses Vergehen noch härter bestraft werden müsse.

Während weder Punkte noch Blitzer eine Bremswirkung haben, zeigen sich die hohen Spritpreise als wahrer Renn-Hemmschuh. Mehr als die Hälfte der befragten deutschen Autofahrer (54 Prozent) gab an, durch die hohen Kraftstoffpreise ihren Fahrstil geändert zu haben. Überdies gaben 75 Prozent an, aufgrund der Preise den Wagen häufiger stehen zu lassen.

Kein Sprit, keine Pausen

Die europäischen Nachbarn (21 Prozent) setzen sich auch unter Alkoholeinfluss ans Steuer, in Deutschland gibt nur jeder Zehnte an, hin und wieder alkoholisiert zu fahren. Für neun von zehn Autofahrern in Deutschland gilt Alkohol im Straßenverkehr als extrem gefährlich und zwei Drittel (62 Prozent) befürworten sogar eine «0-Promille-Grenze». Nur in Großbritannien und Irland gibt es mit 83 Prozent noch mehr Null-Promille-Befürworter. Möglicherweise liegt das an der Zahl der im Zusammenhang mit Alkohol stehenden Verkehrstoten, die auf den Inseln deutlich höher ist als in Deutschland.

Bewusst in Kauf nehmen deutsche Autofahrer die Gefährdung durch Übermüdung. Zwar ist sich jeder Dritte dieser Gefahrenquelle bewusst, dennoch klemmen sich 60 Prozente der Autofahrer zu lange hinters Lenkrad.

Ebenfalls festgestellt wurde mit der Umfrage, dass die Bereitschaft, seinen Fahrstil zu ändern, mit steigendem Alter sinkt. Während die Hälfte der befragten Autofahrer bis 24 Jahre angab, 2009 ihren Fahrstil geändert zu haben, konnten das nur 22 Prozent der älteren Fahrer von sich behaupten. Ursachen sind offensichtlich jahrelange Erfahrung gepaart mit Gewohnheit, was sich in Sachen Umdenken als Hemmschuh erweist. Präventive Schulungen junger Verkehrsteilnehmer finden 51 Prozent der Befragten als sinnvoll. Und das zu recht, denn Fahrer zwischen 18 und 34 Jahren sind besonders gefährdet. Sie verursachen nicht nur öfters, sondern auch schwerere Unfälle.

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