Franzi Bast: Herrin über 1.000 Pferde


Zwei Autohäuser, zwei KÜS-Standorte und eine junge Frau mit „Benzin im Blut“

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Zwei Autohäuser, zweimal die KÜS vor Ort und dazu eine junge Frau, die das Sagen über 1.000 PS und mehr hat: Franziska („Franzi“) Bast aus Konz, einer Kleinstadt an der Mündung der Saar in die Mosel, ist die einzige technische Kommissarin im ADAC Mittelrhein. Die „dicken Brummis“ und der Motorsport sind ihr Metier. So wie etwa im Vorfeld von Europas größtem Truck-Festival, dem Truck-Grandprix am Nürburgring. Dass es dazu kam, ist auch das Verdienst von Rudi Bollig.

Franzi-Bast

Er ist seit vielen Jahren eine Institution als Technischer Kommissar im ADAC Mittelrhein. Der 61-jährige Kfz-Meister arbeitet im Autohaus Bach in Bernkastel-Kues. Viermal pro Woche ist dort die KÜS vor Ort, die Prüfingenieure vom Team um Daniel Peifer-Weiß gehören quasi zum Inventar. Auch beim Autohaus Hess in Trier ist die KÜS im Pkw-Segment des großen Mercedes-Benz-Händlers vertreten. Die Lkw-Sparte des renommierten Trierer Autohauses ist das Reich von Franziska „Franzi“ Bast. Die 26-Jährige ist so etwas wie die „First Lady unter den Tekos“ (Technische Kommissare) im ADAC Mittelrhein. Einzige Frau unter 35 Männern.

Beim ADAC Truck Grandprix im Juli gehörte Franzi zum technischen Abnahmeteam, schaute, ob die schweren Renntrucks allesamt der Homologation entsprechen. Rudi Bollig ist so etwas wie ihr Mentor, ihr Ziehvater. „Sicherheit ist das oberste Gebot. Sicherheit am Auto, für den Fahrer, für die Zuschauer“, hat sie von ihm gelernt. Und das setzt die junge Frau jetzt um. Nicht nur beim „Trucker“, sondern auch im August beim deutschen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft in Trier. Ohne Franzi gibt es kein Okay für die Boliden.

An dem – im wahrsten Sinne des Wortes – heißen Nürburgring-Wochenende war Franzi in ihrem Element: Fünf Tonnen Eisen und Stahl, 1.500 PS, unvorstellbare 5.000 Newtonmeter Drehmoment, in fünf Sekunden von null auf 160: Das sind die Daten eines Superrace Trucks. Von dem, was ein Brummi-Fahrer Tag für Tag über unsere Autobahnen bewegt, ist außer der Optik des Führerhauses an Technik so gut wie nichts mehr übrig geblieben. Formel-1-Boliden verstecken sich verschämt hinter diesen Daten. Franzi macht das alles nicht bange. „Ich bin mit dem Lkw aufgewachsen“, erzählt sie. „Zu Hause haben wir einen Mineralöl-Betrieb.“ Da war der Geruch von Diesel statt Chanel Nr. 5 der Wegbegleiter. Und das ganze Drumherum faszinierte sie. Sowieso. Schon als Kind.

Nach dem Abi in Konz warf die junge Frau in der beruflichen Karriereplanung den Turbo an. Die beste Gesellenprüfung, alles Einser. Wen wundert‘s. „Da hab ich mir gedacht, am besten machst du direkt weiter.“ Mit 23 war sie Kfz-Meisterin. Die jüngste weit und breit. Heute arbeitet sie bei Mercedes-Hess in Trier. Arbeitskollege Thomas hat ihr den Motorsport schmackhaft gemacht, die Lehrgänge und Prüfungen bis zum „Teko B“ (zweithöchste Stufe) hatte sie schnell gemacht. „Im nächsten Jahr wollen wir Franzi zum Teko A“ machen. Das heißt, dass sie bei internationalen FIA-Wettbewerben Entscheidungsfunktion hat“, erklärt Rudi Bollig.

Was fasziniert sie am meisten an ihrem Job beim Trucker? „Die Kombination aus Sport und Technik. Eigentlich alles.“ Was ihr noch fehlt ist die Leidenschaft, auch auf dem „Bock“ mal auszuleben. „Ich würde zu gerne mal mitfahren mit so einem Race Truck.“ Die „normalen“ Renntrucks haben etwa „tausend Pferde“ unter der Haube. Aber das weiß Franzi selbst am besten. Also dann: Alles klar, Frau Kommissar.

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