Gefürchteter Stratege


Ferdinand Piëch: Ein Nachruf

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Den Entwurf für den 16-Zylinder-Motor eines Bugatti hat er bei einem Abendessen auf eine Serviette gezeichnet. Nach seiner Idee bestand das Aggregat aus zwei Achtzylindern. Eine von vielen Legenden, die sich bis heute um Ferdinand Piëch ranken.

Ferdinand Piëch (1937-2019).

Als seine drei großen Interessen wurden, in dieser Reihenfolge, einmal zitiert: Volkswagen, Familie, Geld. Begeisterung fürs Automobil überhaupt führte den 1937 Geborenen durch verschiedene Stationen – nachdem er, der sein Maschinenbau-Studium 1962 an der ETH Zürich als Diplom-Ingenieur abgeschlossen hatte. Im Zentrum der Abschlussarbeit stand ein Formel-1-Motor.

Ferdinand Piëch (rechts) und Vic Elford in Le Mans 1969.

Seine Karriere bei Porsche begann 1963, unter anderem mit maßgeblichem Einsatz im Motorsport, etwa bei den Rennen in Le Mans und bei der Entwicklung des Porsche 917. Sie endete für den Neffen von Ferry Porsche neun Jahre später durch einen Familienbeschluss. Im selben Jahr noch, 1972, wechselte er zu Audi, wo er 1988 Vorstandsvorsitzender wurde. In dieser Funktion kam er 1993 zur Volkswagen AG, wo er bis 2015 blieb.
Entwicklungen wie der TDI von Volkswagen und der Audi-Allradantrieb quattro werden bis heute ihm zugeschrieben. Auch für Projekte, die es dann doch nicht zur Serienreife schafften, konnte sich der Mann mit »Benzin im Blut« begeistern, etwa das 1-Liter-Auto bei Volkswagen. Dort fruchteten freilich vor allem seine Ideen als Stratege, zum Beispiel die modulare Bauweise für verschiedene Modelle (heute: Modularer Querbaukasten MQB) und die Einführung der Vier-Tage-Woche ohne Lohnausgleich. Solche Maßnahmen dienten der konsequenten Kostensenkung. Alles in allem baute Piëch den Konzern aus und führte ihn zurück in die Erfolgsspur. Zuvor hatte er mit Erfolg Audi vom Image des »Herstellers für solide, aber langweilige Autos für das betuliche Publikum« befreit.

 

Ferdinand Porsche mit Ferdinand Alexander  Porsche und Ferdinand Piëch (rechts), ca. 1949.   

Ferdinand Piëch (links) und Ferry Porsche neben dem Motor Typ 718-2 für den Porsche 901, ca. 1963.

 

 

 

 

 

 

 

Der Stratege Ferdinand Piëch war es aber auch, der nach einem verlorenen Machtkampf mit Martin Winterkorn 2015 aus dem Volkswagen-Konzern ausschied. Gegnern galt er als gefürchteter Autokrat. Charakterisierungen wie diese dürften ihn nicht sonderlich getroffen haben: Dass sein Harmoniebedürfnis infolge seines Strebens nach Qualität begrenzt sei, hatte er schon beizeiten selbst eingeräumt. Dieses Streben ging bis zur Detailversessenheit: Sein Faible für genaue Spaltmaße brachte ihm den Spitznamen »Fugen-Ferdl« ein. Nach seinem Rückzug wurde es ruhig um ihn. Im August 2019 starb er, 82-jährig, völlig überraschend.

Piëch im 1-Liter-Auto von VW.

Fotos Audi, Porsche, Volkswagen

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