Für die Sicherheit in Omnibussen


2. DIQ-Symposium mit Experten und umfassender Diskussion

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Im März 2012 ereignete sich in der Schweiz ein Busunfall mit tödlichem Ausgang für einige Passagiere. Sicherlich nicht ausschlaggebender Ansatz für die Durchführung eines Bus-Sicherheits-Symposiums, aber an Aktualität nicht zu überbieten. So lud das DIQ (Deutsches Institut für Qualitätsförderung e. V.) in das Kameha Grand Hotel, Bonn, zu einem Symposium zur Sicherheit in Omnibussen. Auch die Einladungsliste der Referenten ließ erahnen, dass dies eine sehr informative und mit viel Hintergrundwissen gespickte Veranstaltung inklusive Diskussionsgesprächen in den Pausen und auch nach den Vorträgen werden würde.

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DIQ-Präsident Peter Schuler im Gespräch mit Walter Eichendorf. Der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e. V. (DVR) ging in seinem Grußwort zum 2. DIQ-Symposium vor allem auf den „Faktor Mensch“ ein.

 

Peter Schuler, Präsident des DIQ e. V., verwies in seiner Begrüßungsrede auf die Wichtigkeit der Sicherheit im Allgemeinen, hier im Besonderen bei den Omnibussen. Er überließ das Rednerpult Herrn Dr. Walter Eichendorf, der, als Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e. V., die ihm zugedachte Aufgabe der Keynote zu diesem Symposium zum Anlass nahm, mit Nachdruck auf die vom DVR initiierte „Vision Zero“ hinzuweisen.

Das Motto dieser Initiative lautet: „Keiner kommt um. Alle kommen an.“ Anhand des Beispiels der Schülerbeförderung durch Busse und des ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) verdeutlichte Dr. Eichendorf, wie wichtig Aufklärung in Bezug auf Anschnallpflicht in Bussen und deren Sicherheitschecks anzusehen ist.

Diesem sehr emotionalen Anfang folgte ein, wie Studenten der Fachhochschule Trier im Gespräch bestätigten, überaus interessanter Redner, der gleichzeitig als Leiter des Symposiums fungierte: Prof. Dr.-Ing. Peter König (FH Trier, Fachbereich Technik und Maschinenbau). Er referierte wie ein Conférencier auf der Bühne, mit Hintergrundinformationen wie in seinen Vorlesungen an der FH, bestens vorbereitet, ohne Manuskript.

Prof. König ließ in seinem Vortrag die Wichtigkeit der zukünftigen Verkehrsinfrastrukturen in Verbindung mit der Sicherheit ihrer Beförderungssysteme erkennen. In Ländern wie China, Indien und Südamerika steigen das Bedürfnis und der Wunsch der Bevölkerung nach individueller Mobilität rasant. Fahrzeugtechnologie, Antriebstechnik, Umweltverträglichkeit und Sicherheit seien von entscheidender Bedeutung. Hierbei hätte die deutsche Industrie die Möglichkeit des technischen Transfers in diese Länder, abgestimmt auf die landestypischen Bedürfnisse.

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Demonstration am Objekt: Referent Lutz Steiner (Volvo Busse Deutschland) sprach über die Energieeffizienz moderner Omnibusse.

Im Anschluss verwies Bastian Roet (Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer), anhand der Novelle des PBefG (Personenbeförderungsgesetz) auf die Chancen und die Bedeutung für die Omnibusunternehmen. Der Fernlinienverkehr sei seit dem 27. September 2012 für die Branche offen. An erster Stelle stehe die Sicherheit. Sie müsse ein Bestandteil der Firmenkultur von Busunternehmern und ihren Fahrern im Zusammenspiel mit den Buspassagieren sein, um allen eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen.

Rechtliche Fragen und deren Relevanz erörterte im Nachgang Rechtsanwalt Karl-Hermann Lauterbach. Kurzweilig referierte er anhand einiger Fallbeispiele aus seinem Berufsalltag. Hier zeigte sich die Wichtigkeit gesetzlicher Vorgaben (wie z. B. die Einhaltung von Lenkzeiten) für die Unternehmen und ihre Fahrer.

Anhand einiger ausgesuchter Fotos von Überprüfungen, Kontrollen und Unfallauswertungen des gewerblichen Personenverkehrs konnte der nächste Redner, Karl-Heinz Brüggemann, leitender Polizeidirektor der Polizeiin­spektion Emsland/Grafschaft Bent­heim, Lingen/Ems, dem Auditorium sehr anschaulich die Dringlichkeit und Notwendigkeit dieser Einsätzen vergegenwärtigen. Abstandskontrollen seien keine Willkür. Zu geringer Abstand sei immer wieder ein Unfallkriterium, bei dem die Fahrer die wirkliche Bremseffizienz durch ungenügenden Bremsdruck auf das Pedal nicht ausnützten. Einige Beispiele von kriminellen Praktiken, wie z. B. Schmuggel von unverzollten Waren oder Personen in „Geheimverstecken“ oder illegal und unsachgemäß eingebauten Zusatztanks schlossen seinen Vortrag ab.

18 Prozent beträgt die Überschlagsquote bei Busunfällen. Diese Zahl stellte Alexander Berg (DEKRA) in seinen Ausführungen zur passiven Sicherheit in Reisebussen besonders heraus. Hierzu zählen insbesondere die elektronischen Fahrassistenz- und Sicherheitssysteme sowie die Weiterentwicklung der Karosserieaufbauten in ihrer Strukturfestigkeit. Ökologische und ökonomische Gesichtspunkte waren Hauptbestandteil des nächsten Vortrages (Lutz Steiner Volvo Busse Deutschland). Das enorme Einsparpotential eines im Idealfall voll besetzten Busses im Vergleich zum Individualverkehr und die sich daraus ergebenden umwelt- und wirtschaftsrelevanten Ergebnisse ließen einen überaus positiven Blick in die Zukunft weiterer technischer Möglichkeiten erahnen. Diese griff Gerhard Stangl, Head of Engineering Bus Coach/MAN, auf, um anhand der technischen Innovationsmöglichkeiten einige Beispiele näher zu erläutern. Er verglich die passive mit der aktiven Sicherheit und stellte ihre Gemeinsamkeiten heraus. Ein weiterer wichtiger Punkt seiner Erläuterungen waren die bereits per Gesetz festgelegten und in Zukunft zu erwartenden Neuerungen wie z. B. Brandmelder ab dem 1.12.2012 für alle Neufahrzeuge und ab dem 1.12.2013 für alle Fahrzeuge.

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Experten zur Verkehrssicherheit: (v.l.n.r): Peter Schuler (DIQ), Karl- Heinz Brüggemann (Polizei Niedersachsen), Burkhard Köhler (Polizeibeamter und Buchautor, Berlin), Lutz Steiner (Volvo Busse Deutschland), Dr. Walter Eichendorf (DVR), Alexander Berg (DEKRA), Bastian Roet (bdo), Prof. Dr. Peter König (Leiter Symposium), Thomas Koch (DIQ), Karl-Hermann Lauterbach (Fachanwalt für Verkehrsrecht )

In einer Pause war es möglich, während eines Pressegesprächs, dem Polizeibeamten und Buchautor aus Berlin, Burkhard Köhler, zum Thema „Unterwegskontrollen“ zu folgen. Die hier festgestellten Mängel insbesondere an den Bussen ließ den Zuhörern einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Die Beweisfotos, die er vorlegte, zeigten einen Querschnitt durch ein regelrechtes Horrorkabinett. Beispielsweise Betriebsmittelverlust (Öl und Kraftstoff) im Bereich heißer Motorteile, ausgeschlagene oder nicht mehr vorhandene Lenkungsteile und wirkungslose Brems- und Federungssysteme. Sein Resümee: Mit Blick auf die Verkehrssicherheit sei dringend ein Umdenken bei den Verantwortlichen in der Politik wie auch bei den Busunternehmen notwendig.

Zum Abschluss konstatierte der Leiter des Symposiums, Prof. Dr.-Ing. Peter König, wie wichtig es sei, allen Beteiligten eine Hilfestellung in Bezug auf die Überprüfbarkeit und Überwachung der Verkehrssicherheit an die Hand zu geben.

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