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Ein Traum mit eineinhalb Beinen, aber ganzem Herzen


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Wie aus einem jungen Mann, der noch eine zehnprozentige Überlebens­chance besaß, der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für Amputierte wurde.

Vor ein paar Jahren „zu 90 Prozent tot“, heute Leistungssportler und Kapitän einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die „etwas anders ist als Andere“. Die Geschichte von Christian Heintz, der nach einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 2010 nach damaliger Meinung der Ärzte eine „Überlebenschance von zehn Prozent“ besaß und heute Kapitän der deutschen Fußball-Amputierten-Nationalmannschaft ist, liest sich wie das Drehbuch eines Kino-Streifens. Dabei ist es nichts anderes als blanke Realität und die Geschichte vom Kampf eines jungen Menschen, der unbedingt wieder ins Leben zurück wollte.

„Am Abend des 21. Februar 2010“, erinnert sich der heute 33-jährige Groß- und Einzelhandelskaufmann noch genau so, als wäre es gestern gewesen, „war ich mit meinem Opel Zafira bei geringen Minustemperaturen und leicht gefrorener Straße in meiner Eifeler Heimat unterwegs. Ich nahm eine Linkskurve zu schnell, kam von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Glücklicherweise“, sagt er heute, „fand mich ein Autofahrer 15 Minuten danach.“ In einem Krankenhaus in Trier wurde er in ein künstliches Koma gelegt. Die Ärzte bezifferten seine Überlebenschance auf zehn Prozent.

Die Folgen des Unfalls waren verheerend: Beide Arme gebrochen, der rechte Lungenflügel eingefallen, das linke Bein gebrochen und das rechte Bein hielt im Kniebereich nur noch an wenigen Hautfetzen zusammen.  Heintz überstand die folgenden Wochen und Monate aufgrund seiner guten körperlichen Verfassung als erfolgreicher Amateur-Fußballer. Was dann geschah schildert er heute präzise und lückenlos:

„Nach einwöchigem Koma wurden alle Brüche wieder gerichtet, nur beim Zusammenflicken des rechten Beins gab es aufgrund der extremen Verletzung Schwierigkeiten. Nach Tests und Untersuchungen in einer Fachklinik in Ludwigshafen stand fest, dass ich mein rechtes Bein behalten könnte. Allerdings wäre dies nur noch als ‚biologische Stelze’ nutzbar gewesen, denn das Knie hätte versteift werden müssen. Die Wadenmuskulatur wurde aufgrund von Keimen bereits entfernt und im Fuß hatte ich keinerlei Gefühl mehr. Daher durfte ich selber über mein Bein entscheiden. Nach Bedenkzeit und Besichtigung einer Prothesenwerkstatt, entschied ich mich für eine Amputation des rechten Unterschenkels. Diese wurde genau in der Kniemitte vorgenommen, daher habe ich mein eigenes Knie nicht mehr. Die Kniefunktion übernimmt die Prothese.“

In der anschließenden Reha fand er einen Flyer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für Amputierte. „Das war meine Eintrittskarte zurück ins Leben“, sagt er heute. Mittlerweile ist der junge Mann aus der Eifel Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, führte das Team Anfang Oktober bei der Europameisterschaft in der Türkei unter die letzten acht und hat ein großes Ziel vor Augen: „Wir möchten zusammen mit unseren Sponsoren, der Dietmar-Hopp-Stiftung und der Sepp-Herberger-Stiftung den Amputierten-Fußball für die Paralympischen Spiele zulassen.“ Der ins Auge gefasste Zeitpunkt wären die Paralympics 2024 in Paris. „Dann wäre ich 40 und für mich würde sich ein sportlicher Traum erfüllen.“

Ein Traum nur noch mit eineinhalb Beinen, aber ganzem Herzen!

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