Ein Fiat 500 auf offiziell drei Rädern


Schon 16-Jährige dürfen den Umbau aus dem Allgäu fahren

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Das kennen viele Eltern: Der Nachwuchs wird bald 16 Jahre alt und möchte künftig entsprechend motorisiert unterwegs sein. Kein schönes Gefühl, den Junior dann auf einem Kleinkraftrad unterwegs zu wissen – mit wenig Erfahrung und noch weniger Knautschzone. Das dachte sich auch Wenzel Ellenrieder aus Westendorf-Dösingen im Ostallgäu, als sein Sohn Markus langsam flügge wurde. Seine vergebliche Suche nach einer sicheren Alternative zum Krad brachte ihn zu einer Eigenentwicklung. Ein Fiat 500 wird so umgebaut, dass er bereits von 16-Jährigen mit dem Führerschein A1 gefahren werden darf. In Anlehnung an seinen Familiennamen taufte der 55-Jährige den umgebauten kleinen Italiener auf den Namen „Ellenator“ und hat bis heute über 200 davon verkauft.

Ein wenig erinnert das Ganze an den Bond Mini Car (KÜSMagazin 43), denn auch Ellenrieder machte sich die überaus präzise festgelegten Regelungen zunutze. Ansatz war die Änderung des Führerscheinrechts im Jahr 2013. Mit der Fahrerlaubnis A1 dürfen seitdem auch „dreirädrige Kraftfahrzeuge mit symmetrisch angeordneten Rädern und einem Hubraum von mehr als 50 cm3 bei Verbrennungsmotoren oder einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h und mit einer Leistung von bis zu 15 kW“ gefahren werden. Damit durfte sein Filius das große Piaggio-Dreirad fahren, das der Kfz-Meister in seinem Autohaus auch verkaufte. Zufrieden war Ellenrieder damit noch nicht.

Er suchte ein Fahrzeug, das ein Mehr an Sicherheit bot, also ABS, Airbags und ESP zum Beispiel.

Als er eines Tages in der Werkstatt unter einem Polo stand, hatte er den Geistesblitz: Warum nicht einen Kleinwagen in ein Dreirad umbauen? Der Allgäuer rechnete und tüftelte, ließ sich Hinterachsen bauen. „Erst haben wir es mit einem Rad versucht, doch es gab Probleme mit der Achslast“, erzählt der 55-Jährige. Außerdem fehlte dem serienmäßigen Steuergerät ein ABS-Signal. Aber laut StVZO zählen Räder mit einem Abstand von maximal 465 mm – gemessen in der Mitte der Laufflächen – als ein Rad. Und so wird aus dem vierrädrigen Fahrzeug für 5.000 € inkl. MwSt. ein Dreirad.

Hört sich erst mal sehr viel an, zumal das Fahrzeug ja auch gekauft werden muss. Ellenrieder baut nur noch Fiat 500 mit einem Listenpreis ab 12.490 € um, und selbst da muss darauf geachtet werden, dass man das richtige Fahrzeug ordert. Sonst passt vielleicht die Bremsanlage nicht zur neuen Hinterachse. Für die innen liegenden Räder muss der Kofferraumboden aufgeschnitten werden – der Gepäckraum ist anschließend nur noch halb so groß. Die Radkästen werden mit in Wagenfarbe lackierten Blenden abgedeckt. Der Motor muss auf 15 kW gedrosselt werden und eine Einzelabnahme ist selbstverständlich auch nötig – und ebenfalls im Preis enthalten.

„Es gibt kein sichereres Fahrzeug für junge Fahrer“, schwärmt Ellenrieder. Mit 90 km/h Spitze kann man sogar auf der Autobahn mitschwimmen und den einen oder anderen Lkw überholen. Ein späterer Rückbau sei zwar möglich, aber nicht empfehlenswert. „Der kostet ja auch Geld, aber den Fiat wird man locker los“, so seine Erfahrung. „Meist warten schon Bekannte, die das Fahrzeug übernehmen wollen.“

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10 Kommentare

  1. Wir haben den Ellenator schon seit 2016 und ich kann nur Gutes zu ihm sagen.

    Jetzt war er, weil unser großer Sohn bereits über 18 ist und der jüngere jetzt 16 wurde, abgemeldet und wurde jetzt neu angemeldet.
    Obwohl wir davor vorne und hinten ein Kennzeichen hatten, sagen sowohl Stadt als auch Polizei, dass er jetzt nur noch hinten ein Kennzeichen benötigt.

    Meine Frage nun: darf ich in der vordere Einfassung ein anderes Schild (kein amtliches Kennzeichen natürlich) anbringen? Bisher konnte mir niemand dazu Auskunft geben.

    Vielen Dank!

    • Sehr geehrte Frau Ernst,

      es ist tatsächlich nicht mehr notwendig vorne ein amtliches Kennzeichen an einem Fahrzeug dieser Klasse (L5e) zu führen.

      Gegen die Anbringung eines anderen Schildes an dieser Stelle ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Allerdings könnte es zu Problemen kommen, wenn dieses Schild einem amtlichen Kennzeichen so ähnlich ist, dass es dadurch zu Verwechselungen kommen könnte.

      Viele Grüße aus der KÜS-Bundesgeschäftsstelle

  2. Bei mir steht direkt am Nachbarhaus einer. Der hat vorne ein Schild mit „1 Foto 15 Euro“ drauf. also ist es scheinbar egal, ob ein Schild oder kein Schild dran ist….

  3. Im Flachland und in der Stadt ist so ein Teil vermutlich ganz OK. In Österreich fahren jede Menge „Pseudo“-Autos mit Moped-Nummerntafel rum und die sind ein echtes Verkehrshindernis. Auf einer Pass-Straße jubelst du als Autofahrer wenn du dahinter bist. Dummerweise brauchen die den gleichen Platz wie ein Auto.
    Wie gesagt im Flachen vermutlich ganz nett für die Kiddies.

  4. Leider bin ich erst jetzt auf diese Fzg. aufmerksam geworden. Wieder so ein Spielzeug mehr für Eltern, die es sich leisten können, ein solches „Spielzeug“ zum 16. Geburtstag zu schenken. Bitte keine Neid Debatte.
    Der Sicherheitsaspekt der „Knautschzone“ und einiger anderer Assistenzsysteme ist sicherlich ein starkes Argument, aber wie hieß schon ein uralter Lehrfilm von Mercedes Benz: „Wer gegen die Physik ankämpft, ist dumm“. Insofern bleibt abzuwarten, wie der jugendliche Fahrer bzw. Fahrerin die Freiheit anwendet.
    Und um ein dreirädriges Fzg. genau so sicher auf die Fahrbahn zu bringen wie das Serienfzg., bedarf wohl größter Anstrengung ( man beobachte nur die 3-rädrigen Kinderwagen in der Praxis) und scheint mir nahezu unmöglich.
    Und ob Söhnchen (Töchterchen) mit 18 Jahren nicht doch ein Zweirad fahren wird, scheint mir nicht sicher und der Einstieg durch die FS-Klasse ist bereits getätigt und sogar gleich mit leistungsstärkerer Machine.
    Warum diese Krücke, wenn es doch möglich wäre, durch Drosselung und starke Heckkennzeichnung und Änderung im FS-Recht gleich das Serienfzg. fahren. Am Erscheinungsbild würde das wenig ändern. Dem Erfindergeist alle Ehre – der Lobby und unseren unfähigen Verkehrsministern der vergangenen Jahre sei Dank.
    Heinz Goll

    • Warum diese Krücke, wenn es doch möglich wäre, durch Drosselung und starke Heckkennzeichnung und Änderung im FS-Recht gleich das Serienfzg. fahren.

      Das ist eine berechtigte Frage; es scheint sehr unvernünftig, ein (fahr-)stabiles vierrädriges Fahrzeug erst in ein (bei Kurvenfahrt) instabiles dreirädriges Gefährt umwandeln zu müssen, damit es 16-jährige fahren dürfen.

      Die elektronische Drosselung wäre für 100 Euro machbar, den ganzen Vorgang des Umbaus könnte man sich sparen …
      Die notwendige Änderung im Führerscheinrecht könnte man ja bei der Lockerung der Zweirad-Regelungen gleich mit einführen ;)

  5. Warum vorne kein Kennzeichen? Ich finde es nahezu absurd, diesen Fahrern die Freiheit einzuräumen, nahezu unerkannt geblitzt zu werden.
    Zumindest in der Ausgestaltung des amtl. Kennzeichens sollte ein vorderes „Wieder-
    holungskennzeichen“ angebracht sein. Aber warum dann nicht gleich auch noch den
    amtlichen Stempel.
    Heinz Goll

  6. Die meisten Blitzer stehen in 30er und 50er Zonen. Wenn gerade bei Fahranfängern kein Schild vorne als Identifizierung ist, ist das absolut fahrlässig. Es verleitet grundsätzlich zu übermütigen Handlungen . Das Teil fährt schliesslich bis zu 90kmh. Das sind keine Mofa25kmh. Absolute Unfairness gegenüber vollidentifizierbaren Fahrzeugen.
    Fazit: absolute Fehlentscheidung des Verkehrsministers. Denke, der weis das nicht mal.

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