Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

Die Post kommt – elektrisch


Jährlich werden in Aachen 10.000 gelbe Elektroautos gebaut

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In Oyle – einem kleinen Dorf in der Wesermarsch bei Nienburg – hat die Zukunft schon begonnen. Seit einigen Monaten gibt’s hier die Briefe, Päckchen und Pakete elektrisch. Die Deutsche Post DHL Group hat nämlich begonnen, ihre Transportflotte in großem Stil auf Elektroautos umzurüsten. Ab 2017 sollen in Aachen jedes Jahr 10.000 der StreetScooter genannten 4,6 Meter langen Transporter gebaut werden.

Begonnen hat das Ganze 2010 mit der Gründung der Streetscooter GmbH als Spin-Off der RWTH Aachen und als Konsortium aus rund 80 Industrieunternehmen der Automobilindustrie und verwandter Branchen. 2011 fing das Start-up zusammen mit Instituten der Aachener Hochschule für die Post mit der Entwicklung eines speziell auf deren Bedürfnisse zugeschnittenen Elektrofahrzeuges an. Inzwischen ist die StreetScooter GmbH eine Tochter der Deutsche Post DHL und im ehemaligen Talbot-/Bombardierwerk sind über 1.000 der gelben Elektroflitzer produziert worden, die quer durch die Republik intensiv getestet wurden und werden.

Der Einsatz geschieht in erster Linie auf dem „platten Land“, da es hier oft eine sogenannte erbundzustellung, also das gemeinsame Austragen von Briefen und Päckchen/Paketen gibt. Und so kann sich auch das kleine Oyle freuen, ganz vorne dabei zu sein.

Der Nachteil für den Kunden: Man hört nicht mehr, wenn die Post kommt, denn der Transporter ist nahezu lautlos.

Der Asynchronmotor entwickelt eine Leistung von bis zu 30 KW, was für eine Geschwindigkeit von 80 km/h, ein Drehmoment von 130 Nm und eine Reichweite von 80 Kilometer langt. Bescheidene Werte, doch nach Ansicht der Post ausreichend, denn die Zustellung besteht in erster Linie aus kurzen Strecken mit bis zu 300 Stopps pro Schicht.

Nachts wird die Lithium-Ionen-Batterie in 5 bis 8 Stunden wieder aufgeladen. Die Ladeinfrastruktur dazu baut die Post selbst an ihren Zustellstützpunkten auf. „Dabei verwenden wir zertifizierten Grünstrom“, betont Postsprecher Alexander Edenhofer. Der Ladevorgang wird über eine zentrale Leitwarte gesteuert. „Sobald ein Fahrzeug an eine Ladesäule angeschlossen wird, haben wir die Information über Standort und Ladezustand der Batterien“, erläutert Edenhofer. Falls doch mal ein Fahrzeug ohne Saft liegenbleibt habe man ein dichtes Netz von Partnerwerkstätten, die in einem solchen Fall zu Hilfe kämen.

Mit jedem Fahrzeug spart die Post jährlich 3 Tonnen CO2 – gemessen am Dieselverbrauch eines konventionellen Transporters mit 2,1 t zulässigem Gesamtgewicht. Der StreetScooter selbst hat 2,13 t zulässiges Gesamtgewicht, 4,3 m3 Ladevolumen und eine Nutzlast von 650 kg. Auf der IAA Nutzfahrzeuge im September wurde ein großer Bruder mit 8 m3 Ladevolumen (=150 Pakete) und 1.000 kg Zuladung präsentiert. Er hat dank größerer Batterie eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Von diesem größeren Modell sollen in 2016 noch 170 auf die Straße kommen.

Ein Verkauf von StreetScooter-Fahrzeugen an Dritte wird derzeit geprüft. Laut Edenhofer gibt es hier noch einige Punkte und Details wie z. B. Service- und Garantiebedingungen zu klären.

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