Die Entdeckung von Spaß und Sparsamkeit: Der Porsche Cayenne Diesel


Warum Hering mit Marmelade durchaus bekömmlich sein kann

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Porsche und Diesel, das ist in etwa so wie Himbeermarmelade und saurer Hering. Der Inbegriff des sportlichen Fahrens, des Boxermotors, des 911er und dann ein «Ölbrenner»... Igittigitt. So was geht doch nicht, oder?

Porsche Cayenne 04

Doch, das geht. Denn im gemeinsam mit dem Volkswagen-SUV Touareg entwickelten Cayenne haben die Zuffenhausener den ersten Selbstzünder ihrer Geschichte verbaut. Wir haben ihn für das KÜS magazin ge- und erfahren.

Im Allgemeinen kommen bei der Namensnennung Porsche Cayenne Assoziationen wie massige Karosserie und außerordentlich durstige Motoren auf. Nun, mit dem 240 PS starken Sechszylinder-Diesel kommt in dem Gelände-Dickschiff aus dem Schwäbischen so etwas wie Mäßigung auf.

Porsche lernt sparen. An Verbrauch nämlich. Aber nicht an Spaß.

Vor etwas mehr als fünf Jahren ging der Sportwagenbauer mit dem schwergewichtigen Allradler auf unbekanntes Gelände: Der Cayenne, um dessen Namen so lange ein Geheimnis gemacht wurde, war der erste Fünftürer des Hauses Porsche. Und dann noch einer mit Anhängerkupplung. Die Zuffenhausener nutzten die Chance, die sich ihnen mit der neuen Baureihe bot, um ihren Kundenkreis zu vergrößern. Die gerade auf diesem Sektor enorm gestiegene Nachfrage nach Dieselantrieb führte schließlich fast zwangsläufig dazu, dass sich auch der Traumfahrzeugbauer diesem Antrieb nicht verschließen konnte. Quasi ein Beitrag zur «Sozialisierung» der Marke. Aber auch der nicht sichtbar gemachte Hang zum Understatement. Immerhin, wir schafften es, in gut zehn Tagen den Verbrauch für 100 Kilometer im Schnitt unter zehn Liter zu halten. Der bisher sparsamste Cayenne kommt auf gut drei Liter mehr.

Mit 2.240 Kilogramm wiegt der Diesel-Cayenne etwa 70 Kilo mehr als der V6-Benziner, lässt allerdings in Sachen Vorwärtsdrang und Zügigkeit keine Wünsche offen. Der schwere SUV zehrt nicht nur von seinen 240 «Pferden» unter der Haube, sondern vor allem von dem enormen Drehmoment von 550 Newtonmetern, das bereits bei knapp 2.000 Umdrehungen ansteht. Da ist der Unterschied zum Ottomotor-Cayenne Turbo mit seinen 700 Nm gar nicht mehr so weit. Diese Voraussetzungen müssen allerdings auch gegeben sein, will man mit der schweren, und dennoch sehr edel ausgestatteten «Kiste» auf Trab kommen und die angegebene Endgeschwindigkeit von 214 km/h erreichen. Akustisch merken die Insassen nichts davon, dass da vor ihnen unter der Motorhaube ein schwerer Selbstzünder seine Arbeit verrichtet. Das liegt an der aufwändigen Schallisolierung sowie an der speziellen Frontscheibe mit einer eingelassenen Dämmfolie. Was Vor- und Nachteile hat, denn ein Porsche-typischer Sound kommt so auch bei einem noch so kräftigen Tritt aufs Gaspedal erst gar nicht auf. Allenfalls etwas heftige Windgeräusche ab 150 km/h. Am Fahrgefühl ändert das nichts, der Cayenne kommt sofort ohne Mucken «ganz tief aus dem Keller», ist vor allem bei langen Autobahnfahrten ein wahrer Genuss, der mit Ölbrenner-Affinität so gar nichts gemein hat. Und dass am Interieur eines Porsche – gleich welchen Antriebs – nichts zu mäkeln ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Mit der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Schwaben, in diesem Fell nicht mit Geiz zu verwechseln, ist es damit nicht vorbei. Der Hybrid-Cayenne, dann angeblich unter neun Liter im Verbrauch, steht schon in den Startlöchern. Der Porsche Cayenne kostet als Selbstzünder 56.436 Euro.

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