Der lange Weg zum Führerschein


Nicht bestanden – und dann?

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Zwischen Flensburg und Rosenheim müssen immer mehr Fahrschüler das Handtuch werfen: Sie fallen schlicht durch die Führerscheinprüfung. Rund 30 Prozent der Prüflinge mussten 2017 die Theorieprüfung wiederholen.

Ein junger Mann in Deutschland brauchte tatsächlich 32 Anläufe bis zum Bestehen von Theorie und Praxis. Noch ärmer war ein Aspirant aus der Nähe von Lodz dran: Er brauchte 44 Anläufe, um das begehrte Stück Papier zu bekommen. Aber seine Freude währte nicht lange, denn er fuhr unter Alkoholeinfluss. Mit dem Fahrrad zwar, doch als er erwischt wurde, war auch die Fahrerlaubnis fürs Auto wieder weg.

Genauso wie in Polen kann auch in Deutschland die Führerscheinprüfung unbegrenzt wiederholt werden. Aber: Vor der Wiederholung müssen Fahrschüler eine Pause einlegen. Die entsprechende Verordnung sieht dafür in der Regel zwei Wochen, bei einem Täuschungsversuch sogar mindestens sechs Wochen vor. Zudem muss die praktische Prüfung innerhalb von zwölf Monaten nach Bestehen der theoretischen Prüfung abgelegt werden, sonst verliert diese ihre Gültigkeit.

Wer in Deutschland die Fahrprüfung vergeigt, muss noch tiefer in die Geldbörse greifen. Zu den Gebühren (95 Euro) kommen die zusätzlichen Fahrstunden. Normale Fahrstunden kosten zwischen 20 und 45 Euro, eine Sonderfahrt bis zu 60 Euro. Alles in allem kommen da schnell mal 300 Euro zusammen.

Die bundesweite Durchfallquote ist – auf alle Führerscheinklassen bezogen – im fünften Jahr in Folge gestiegen und erreichte 2017 36,8 Prozent (2016: 34,8 Prozent). 28,1 Prozent der Praxisprüfungen wurden nicht bestanden. Bei der Theorieprüfung für den Autoführerschein (Klasse B) gab es ein besonders schlechtes Ergebnis: 2017 schafften 44 Prozent der Prüflinge das Ziel nicht. Augenfällig dabei ist auch, dass die Durchfallquote in den neuen Bundesländern um einige Prozentpunkte höher liegt als im ehemaligen Westdeutschland.

Natürlich gibt es nicht immer Probleme beim Erwerb der Fahrerlaubnis: Es gibt auch den Idealfall in der Realität. So meldete sich eine junge Frau nach dem mit guten Noten bestandenen Abitur in einer Fahrschule an. Die Prüfung in Theorie und Praxis bestand sie im ersten Anlauf und bereiste anschließend verschiedene Länder. Auch im Linksverkehr kam sie bestens zurecht und blickt inzwischen auf 14 unfallfreie Jahre.  

Fotos SP-X, ISTOCKPHOTO.COM

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