Chauffeur- und Limousinenservice: Porträt einer Dienstleistung


Der Butler im Luxuswagen

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Eine elegante, schwarze Limousine mit adrett gekleidetem Chauffeur am Steuer: Das findet man in Deutschland nicht mehr nur in der Fahrzeugkolonne eines Staatsbesuches, sondern ebenso am Eingangsbereich zahlreicher Hotels, vor Theatern, Flughäfen und Restaurants. Wie sich der dort gebotene Service von herkömmlichen Fahrdienstleistungen unterscheidet und warum die Interessen von einer Vereinigung vertreten werden, erklärte Waltraut Ulrich im Gespräch mit KÜS Magazin. Die diplomierte Ingenieurin ist Erste Vorsitzende der Vereinigung der Chauffeur & Limousine Service Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (VLD) und führt selbst seit 12 Jahren mit Sohn Burkhard einen Chauffeur- & Limousinen-Service in Mecklenburg-Vorpommern.

Dipl.-Ing. Waltraut Ulrich

Frau Ulrich, ist das Fahren von Fahrgästen schlichtweg die einfache Aufgabe des Chauffeurs?
Der Chauffeur ist, kurz gesagt, ein Butler in der Limousine. Wir haben 2008 in München eine Chauffeurakademie gegründet. Sie bietet unseren Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter unter sachkundiger Anleitung auszubilden. Im Rahmen dessen fand zum Beispiel 2009 ein Fahrsicherheitstraining statt, durchgeführt vom ADAC Leipzig. Zahlreiche Unternehmen nutzten diese Chance und ließen die Leistungsgrenzen ihrer Chauffeure an der Seite der Trainer ausloten. Parallel erstellten wir ein Fünf-Sterne-Programm mit dem Ziel, Dienstleistung in Perfektion zu bieten. Vergleichbar mit den Sternekategorien im Hotelwesen haben wir Grundsätze aufgestellt, die das Niveau der gebotenen Serviceleistungen auf einem hohen Standard festschreiben. Sie ermöglichen dem Gast bzw. der Agentur, das Niveau einzuschätzen – und die Leistung auch im internationalen Vergleich zu messen!

Training für Chauffeure

Frau Ulrich, wie können Sie den VLD kurz beschreiben?
Bei einer so anspruchsvollen Dienstleistung kann eine Vereinigung wie der VLD vieles leisten. Sie ist in erster Linie eine Interessenvertretung seiner Mitglieder, wie es dies im Taxi- oder Omnibusgewerbe gibt. Der VLD e.V. ist ein nicht wirtschaftlicher Verein und enthält sich jeder politischen Tätigkeit. Wichtig beim VLD ist der Erfahrungsaustausch, denn darüber entsteht die Idee eines gemeinsamen Handels, und dabei erfüllt sich der inhaltliche Vereinszweck, die Interessenvertretung. Mitgliederversammlungen sind dabei nicht nur trockene Vereinspflicht. Durch gemeinsame Stadtführungen, Rundfahrten oder Museumsbesuche profitiert zum Beispiel jeder für die eigene Dienstleistung.

Limousine

Wer kann Mitglied des VLD e.V. werden?
Mitglied kann jedes Chauffeur- und Limousine-Unternehmen werden, das eine Genehmigung zur Ausübung des Gewerbes nach PBefG § 48 oder § 49 besitzt.

Mehr über den VLD kann man hier erfahren:
VLD e.V.-Geschäftsstelle:
Grindelwaldweg 8
13407 Berlin
www.chauffeur-verband.de

Mit Dipl.-Ing. Waltraut Ulrich sprach Roland Bernd.

Extra -- Buchtipp Vicki Baum

Der „Butler in der Limousine“ als literarische Figur In Vicki Baums Klassiker taucht er schon gleich am Anfang auf: „Der Chauffeur von Herrn Baron Gaigern soll bestellt werden!“ heißt es in „Menschen im Hotel“. In den zwanziger Jahren, von denen der Roman handelt, gehörte der Chauffeur ganz selbstverständlich zum guten Ton in der gehobenen Gesellschaft. Gehörte. „Menschen im Hotel“ ist jetzt neu erschienen in einer Ausgabe mit Illustrationen von Christine Pilkenrodt (Büchergilde Gutenberg; reguläre Ausgabe: Kiepenheuer und Witsch).

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