Augenblick mal! – Zur Fahrtüchtigkeit gehört auch gutes Sehen


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Etwa 85 Prozent aller Sinneseindrücke nimmt der Mensch über die Augen wahr. Lassen die Eindrücke an Schärfe vermissen, ist augenblicklich eine Brille fällig. Gerade beim Führen von Fahrzeugen ist ein ungetrübter Blick eine wahre Lebensversicherung, eine Brille demnach unvermeidbar. Doch längst nicht jede Brille ist für die Arbeit hinterm Lenkrad geeignet, weiß das Kuratorium Gutes Sehen e. V. (KGS). Schmale Fassungsränder, dünne und hoch angesetzte Bügel zeichnen laut Kuratorium die perfekte Brille für Autofahrer aus.

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Entscheidend für den richtigen Durchblick ist zweifelsfrei das Material der «Gläser». Der Frage nach leichten Modellen kommt man mit Kunststoffgläsern nach, die deutlich leichter und obendrein bruchsicher sind, aber schneller verkratzen als echtes Glas. Nur eine Beschichtung macht den Kunststoff so kratzfest wie Mineralglas. Kratzer verursachen Streulicht und Reflektionen die zwar vom Auge ausgeglichen werden, was jedoch sehr anstrengend für das Organ ist und zu Kopfschmerzen und Übermüdung führen kann. Auch wenn eine Beschichtung auf den ersten Blick teuer ist, macht es sich am Ende doch bezahlt.

Polarisierend, entspiegelt, beschichtet

Wichtig bei der Gläserwahl sind optische Qualität und Sehstärke: Stimmen Brillen- und Augenparameter nicht überein, führt auch das zu Ermüdung, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Übrigens: Die Sehschärfe ändert sich ständig und sollte daher regelmäßig vom Augenarzt geprüft werden. Als Faustregel gilt: Alle fünf Jahre einen Sehtest, ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre. Glasflächen reflektieren Licht, wodurch es zu störenden Spiegelungen kommt, was auch bei Brillen der Fall ist. Bei entspiegelten Gläsern treten keine Reflexionen auf, es dringt mehr Licht durchs Glas, was dem Auge gut tut. Besonders bei Nachtfahrten oder regennassen Straßen sorgt eine Entspiegelung für weniger Anstrengung der Augen und somit für mehr Fahrsicherheit. Das Kuratorium Gutes Sehen empfiehlt besonders Vielfahrern entspiegelte Gläser.

Blindflüge durch tief stehende Sonne, Reflektionen oder gleißende Straßen sind nicht nur unangenehm, sondern auch brandgefährlich. Das Auge alleine kann hier keine Abhilfe schaffen, lediglich die Brille bringt Hilfe. Polarisierende Gläser filtern reflektierendes Licht heraus, das – anders als das Tageslicht – nur in eine Richtung schwingt. Die Blendungen sind damit für den Fahrer unsichtbar.

Blendungen können aber auch eine ganz banale Ursache haben: Schmutzige Gläser. Eine Anti-Schmutz-Beschichtung hält die Brille lange sauber und vermeidet störende Blendungen.

Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter

Sonnenbrillen sind für viele ein schlichtweg modisches Accessoire und werden häufig nur auf dem Kopf getragen – nicht selten, um die Haare von der Stirn fernzuhalten. Dabei sind, vom Trend abgesehen, Sonnenbrillen echte Helfer, die gerade im Auto stets zur Hand sein sollten, nicht nur im Sommer, worauf das Kuratorium Gutes Sehen mit Nachdruck hinweist. Fehlsichtige sollten bei der Wahl auf eine Brille mit entsprechender Korrektur zurückgreifen.

In Sachen Farbintensität rät das Kuratorium sich für nicht allzu dunkle Gläser zu entscheiden. Was gerne als Ansichtssache gesehen wird, ist in fünf Kategorien eingeteilt. Für den Straßenverkehr sind die Blendschutzkategorien zwei und drei empfehlenswert. Bei Fahrzeugen mit getönten Scheiben ist es ratsam, sich zur helleren Variante zu bekennen. Eine zu dunkle Tönung lässt bei extremen Licht-Schatten-Situationen Hindernisse mit schmalen Silhouetten wie Radfahrer oder Fußgänger nur schwer erkennen.

Empfehlenswert für Fahrzeugführer sind Gläserfarben in Grau, Grün oder Braun, denn sie verfälschen die Farbwahrnehmung am geringsten. Besonderes Augenmerk auf die Tönung müssen Verkehrsteilnehmer mit Farbsinnstörungen legen – etwa jeder achte Mann ist davon betroffen! Wer beispielsweise unter einer Grünstörung leidet und eine Sonnenbrille mit intensiver Grüntönung trägt, wird sich mit dem Erkennen von Signallichtern schwer tun. Gleiches gilt für Rotstörung und rote Gläser. Vorsicht ist bei selbsttönenden Brillen geboten, denn Autoscheiben filtern das Gros der UV-Strahlen heraus, die zum Tönen der Gläser erforderlich sind. Auch wer denkt, in Dämmerung oder Nacht die Sonnenbrille als Blendschutz für Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge einzusetzen, sollte gewarnt sein: Schon beim Sonnenuntergang verringert sich der Kontrast und Gefahrensituationen lassen sich spät – im schlimmsten Fall zu spät – erkennen. Der Straßenverkehr ist kein Laufsteg, Brillenkauf ist kein Lotteriespiel, da es bei Sehhilfen um Sicherheit geht, gilt der Grundsatz: Erst die Funktion, dann die Form!

Augen zu und durch ist verboten

Gemäß Fahrerlaubnisverordnung (FEV) muss der Fahrer fahrtüchtig sein. Dazu zählt auch gutes Sehen: Wer weiß, dass er mangelnde Sehkraft hat, ist gesetzlich dazu verpflichtet, entsprechende Abhilfe zu schaffen. Selbst das Gefühl schwindender Sehkraft verpflichtet dazu. Wer sich dem entzieht, kann beim Unfall wenigstens eine Mitschuld angelastet werden. Inklusive aller juristischer Folgen wie zum Beispiel Mithaftung!

Schneller Selbsttest:

Wer gute Augen hat und perfekt sieht, kann die Beschriftung einer Autobahnabfahrt aus 100 Meter Entfernung klar und deutlich lesen. Bei einer Fehlsichtigkeit von nur einer Dioptrie und ohne Brille lässt sich die Beschriftung erst bei einem Abstand von 25 Meter erkennen.

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