Alfons Löwenber: Der Vater des Golf GTI


Wie vor 40 Jahren aus einer „Schnapsidee“ eine Institution wurde

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Auf der Weltklassik-Messe, der „Techno Classica“, stellte Volkswagen in diesem Jahr unter anderem die erste Ausgabe des Golf GTI vor. Anlass dafür war der 40. Geburtstag des sportlichen Kompaktwagenmodells, der im Jahr 1976 eine neue Ära einleitete und quasi auch ein neues Fahrzeug-Segment schuf: Denn alles, was im Laufe der letzten vier Jahrzehnten an GSI-, GT/E- oder RS-Editionen im Bereich der Opel Astra, Ford Focus oder wie sie auch alle heißen mögen, aufgelegt wurde, war nur eine Antwort auf den ersten Golf GTI.

Löwenberg 01

Der Mann, der als Entwicklungsingenieur maßgeblich an dessen Entstehungsgeschichte beteiligt war, wurde im April 80 Jahre alt und ist noch immer im positiven Sinne ein Unruhegeist. Alfons Löwenberg, wohnhaft in der malerischen Stadt Traben-Trarbach an der Mittelmosel, ist nicht nur Ingenieur für Fahrzeug-Technik, sondern auch Kfz-Meister. Noch heute arbeitet er regelmäßig in einer Kfz-Werkstatt, das auch durch seine jährlichen internationalen Motorboot-Rennen eine gewisse Berühmtheit erlangt hat.

„Ich war immer offen für Dinge, die Andere in diesem Metier noch nicht probiert hatten“, erzählt uns der „Vater des GTI“ bei unserem Besuch. Was heute Standard in der Fahrzeug-Entwicklung ist, war vor vierzig Jahren noch ein Wagnis. „Am Anfang hielt man unser Vorhaben bei Volkswagen für eine Schnapsidee“, erzählte Löwenberg, der sich Mitte der 1970er-Jahre mit ein paar Gleichgesinnten aus der VW-Entwicklungsabteilung jedoch nicht von seinem Vorhaben abbringen ließ.

Die Pioniere aus der Wolfsburger Motorenschmiede probierten es als Erstes mit dem 1974 erschienen Golf, dem sie ein 100-PS-Aggregat einpflanzten. Dieses Versuchsobjekt wurde dann auf der Nürburgring-Nordschleife unter harten Ausdauer-Bedingungen auf Herz und Nieren getestet. Doch Löwenberg und seine Gesinnungsgenossen hatten im Vorstand noch etliche Überzeugungsarbeit zu leisten. So richtig ernst wurde es mit dem Projekt erst, als dem damals aktuellen Volkswagen Golf ein Triebwerk aus dem Audi 80 GTE unter die Fronthaube verbaut wurde. Von da an gab es kein Halten mehr. Obwohl die erste Version des Golf GTI schon bis auf 180 km/h beschleunigte, glaubte man bei Volkswagen nicht an einen Erfolg im Massengeschäft, sondern sah das „Projekt GTI“ zuerst als technische Spielerei an. Ein grandioser Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte.

Einem Kompaktwagen einen Motor mit 100 PS oder sogar noch mehr zu verpassen, galt als völlig absurd

„Ich glaube, dass wir damals mit diesem Auto einfach in die Zeit passten. Wir trugen mit der Optik nicht zu dick auf. Der GTI war und blieb ein Auto der ganz normalen Kompaktklasse. Aber wer genauer hinsah, der wusste, dass das ein besonderer Golf war. GTI-Fahrer blieben auch Golf-Fahrer. Vielleicht ist das das schlichte Geheimnis dieses Autos“, meint Löwenberg heute.

Techno Classica 2016: 40 Jahre Golf GTI

Als die ersten GTI 1976 ausgeliefert wurden und zu den Händlern kamen, waren sie im Prinzip schon ausverkauft. Der Run auf ein Auto hatte eingesetzt, der mittlerweile seit 40 Jahren anhält. Sein geistiger Vater Alfons Löwenberg hat sich seine kreative Neugierde bewahrt: „Wenn ich mich heute trotz Navi irgendwo verfahre, drehe ich nicht um, sondern fahre weiter. Weil ich neugierig bin auf das, was kommt und was ich nicht gesehen habe. Zurück kann ich immer noch.“

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