100 Jahre BMW


Erster Teil: 1916-1945

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„Freude am Fahren“ ist der Werbeslogan von BMW über Jahrzehnte hinweg. Historisch betrachtet entspricht diese Aussage nicht der Entstehung der Firma BMW (Bayerische Motoren Werke). Eine wechsel- volle Geschichte ist Grund genug um 100 Jahre in Epochen zu unterteilen, diese unterschiedlichen Jahre etwas genauer zu hinterfragen und Wissenswertes aus heutiger Sicht lesenswert zu machen.

BMW Gebäude 1918 zwingend KopieDienstag der 7. März 1916 ist Fastnacht – und auf staatliche Initiative wird aus der Flugmaschinenfabrik Gustav Otto die Bayerische Flugzeug-Werke AG (BFW). Gründer Gustav Otto ist ein Sohn von Nicolaus August Otto, des Erfinders des Viertaktmotors. Zur gleichen Zeit gibt es Bestrebungen aus den Rapp Motorenwerke die Bayerische Motoren Werke GmbH zu formen. Die Umsetzung erfolgt 1917. Ein Jahr später wandelt sich die GmbH in eine Aktiengesellschaft (AG) – BMW AG. Gleichzeitig bedeutet das Ende des ersten Weltkriegs ein Verbot der Flugmotoren-Produktion für die Firma BMW. Andere Geschäftsfelder müssen in dieser schwierigen Epoche das wirtschaftliche Überleben sichern.

hist. Aktie BMW 1.000 RM 07-1928

Die Fertigung von Eisenbahnbremsen und Einbaumotoren sind Teil der Produktion. Damit ist das Warenportfolio von BMW interessant genug von der Knorr-Bremse AG übernommen zu werden. Mit dem Kauf im Jahr 1920 erwirbt der neue Eigentümer gleichzeitig alle Markenrechte, Immobilien und Fertigungsanlagen. Diese Gegebenheit wiederum lässt sich der Investor und Finanzier Camillo Castiglioni 1922 nicht entgehen. Er kauft von Knorr-Bremse AG den für sich lukrativ erscheinenden Anteil. Damit erhält er den Motorenbau samt Mitarbeitern und Produktionsanlagen, den Firmennamen sowie das weiß-blaue Markenzeichen. Umgehend überträgt Castiglioni den Neuerwerb auf die „Bayerische Flugzeug-Werke AG“ (BFW). Er siedelt alles zeitnah in die am Münchner Oberwiesenfeld stehenden Werkshallen der BFW. Noch heute sind dort die Konzernzentrale und das Stammwerk der BMW Group. Dieses ist eine entscheidende Veränderung, mit der ihre gesamten Rechte am Motorenbau inklusive aller Firmen- und Namensrechte einhergehen.

Daher betrachtet man das Gründungsdatum, 7. März 1916, auch als die Geburtsstunde der Bayerischen Motoren Werke AG.

Bereits seit 1917 sind alle gefertigten Produkte mit dem blauweißen Emblem, in Anlehnung an die bayerischen Landesfarben, gekennzeichnet. Selbst in einer Werbeanzeige im Juli 1918 ist nur das noch heute bekannte BMW Logo zu sehen. Nur unterschwellig am unteren Rand der Anzeige wird mit Produkten wie Flugmotoren, Automobile, Motorpflüge, Landwirtschaftsmotoren und Motorboote geworben, obwohl man diese Produkte in dieser Form gar nicht liefern kann. Wichtig erscheint hier nur die Darstellung des Logos, welches dann auch im Bewusstsein des Betrachters heften bleibt. Ein genialer Schachzug der Verantwortlichen. Mit der ersten Ausgabe der BMW-Flugmotoren-Nachrichten, Ende 1929, erscheint ein von Henry Ehlers gezeichnetes Bild auf dem zwei Flugzeuge zu sehen sind deren rotierende Propeller das BMW-Logo erzeugen. Daraus resultiert die später so oft fälschlicherweise zitierte Entstehung des BMW Emblems.

ZWINGEND BMW R 32 KopieEnde 1923 präsentiert BMW auf der Deutschen Automobil-Ausstellung in Berlin ihr erstes Motorrad. Das neue B.M.W. Motorrad – die R 32 hat einen Viertakt Zwei-Zylinder-Boxermotor, quer zur Fahrtrichtung und Kardanantrieb zum Hinterrad. Dieses historische Grundkonzept hat bei BMW bis heute seine Gültigkeit. Bis 1969 ist die Zweiradproduktion in München angesiedelt, bevor sie im selben Jahr nach Berlin-Spandau verlagert wird.

BMW Produktionsjubiläum 1918 KopieAus Sicht der Bayerischen Motoren Werke ist das Engagement als eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Luft Hansa vor nunmehr 90 Jahren außerordentlich weitsichtig. Die Regierung des Deutschen Reichs subventioniert und fördert ab 1933 vorrangig die Flugmotoren-Industrie. Durch den Erwerb der Dixi Werke in Eisenach ist BMW seit dem 7. Dezember 1928 Automobil-Hersteller. Der 3/15 PS Dixi ist ein Austin Seven, anhand der von Austin Motor Company erworbener Lizenzen. Immer mehr finden eigenständige Entwicklungen Einzug in die Fahrzeugproduktion. Bis hin zu völligen neuen Eigenentwicklungen ab dem Jahr 1932 mit neuen Modellen. BMW 3/20 PS AM 1-4 und 1933 – Typ 303; 315 und 319, welches die 6-Zylinder Modelle der Marke BMW repräsentieren. Die Typen 303 und folgende zeigen erstmalig die charakteristische „BMW-Niere“ als Kühlergesicht.

ZWINGEND BMW wird Automobilhersteller KopieEine erneute Umpositionierung unternimmt die BMW AG, 1934, indem sie die Flugmotoren-Produktion in die BMW Flugmotoren GmbH ausgliedert. 1936 wird daraus die Flugmotorenfabrik Eisenach GmbH, mit der Integration der Wortmarke BMW, ab 1939. Parallel fördert das Nazi-Regime ab 1936 diese Unternehmung. Unter dem Deckmantel einer Neugründung mit der Bezeichnung Flugmotorenfabrik Allach GmbH erhält die Luftfahrtkontor GmbH Berlin ab 1937 das alleinige Sagen. In dieser Zeit wird die Großserienproduktion von Flugmotoren stark ausgebaut.

Bedingt durch den zweiten Weltkrieg sinkt die Automobil- und Motorradproduktion auf den niedrigsten Stand in der Firmengeschichte.

BMW 303 zwingend Kopie

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