Schaufelraddampfer: Eine ungewöhnliche Fahrt


Wiederbelebte Technik – demnächst auch auf der Elbe

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Die Hoch-Zeit der Schaufelraddampfer lag zweifellos im 19. Jahrhundert, wenn auch einige von ihnen überlebt haben – an der Spitze die „Weiße Flotte“ in Dresden. Was den Energieverbrauch anbetrifft, so haben sich Schiffsschrauben als wirksamer erwiesen und somit die Schaufeln verdrängt. Deren Stärke liegt darin, dass ihnen niedriger Wasserstand und Sandbänke weniger Probleme machen.

Loire Princesse 2015Aus diesem Grund entschloss sich die in Straßburg ansässige Firma Croisi Europe zur Wiederbelebung dieser Technik: Sie gab in der französischen Hafenstadt St. Nazaire ein modernes Schaufelradschiff in Auftrag. Der Grund: Man wollte die eigentlich nicht schiffbare Loire befahren. Dieser mit über 1.000 Kilometer längste Fluss Frankreichs ist bekanntlich nicht reguliert, also weder aufgestaut noch ausgebaut. Wie bei der Elbe hat man lediglich streckenweise versucht die Fließgeschwindigkeit zu verlangsamen, ansonsten bestimmen Sandbänke an den Ufern und mitten im Fluss das Bild.

Loire Princesse Kommandobruucke 2015
Die wesentliche Vorgabe an die Werft: ein möglichst geringer Tiefgang. Mit Hilfe von Aluminium und Leichtbaumaterialien gelang es, im Leerzustand nur 70 Zentimeter ins Wasser zu tauchen. Sind 96 Passagiere, die 24-köpfige Besatzung samt Gepäck und Proviant an Bord, beträgt der Tiefgang zehn Zentimeter mehr.

Das klingt sensationell für ein 88 Meter langes und 15 Meter breites Schiff, das 700 Tonnen wiegt.

Angetrieben wird die „Loire Princesse“ von zwei Dieselmotoren mit jeweils 500 PS, die das Schiff auf eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h bringen. Zum An- und Ablegen sind vorn und hinten Jetpumpenantriebe eingebaut. Im Notfall können sie das Schiff langsam voranbringen.

Princess Loire Rad 2015 KopieDas gezeitenabhängige Teilstück der Loire-Mündung vom Ausgangshafen Nantes nach St. Nazaire an der Küste, macht keine Schwierigkeiten. Aber die restlichen 84 Kilometer aufwärts bis Angers zu befahren, erfordert größte Sorgfalt des Kapitäns, namentlich im Sommer bei niedrigem Wasserstand. Da geht es streckenweise im Schritttempo und Zickzackkurs zwischen den Sandbänken voran,

und statt des Echolots helfen dem Schiffsführer seine Ohren, um mögliches Schleifen über Grund wahrzunehmen.

Für die Fahrgäste ist das völlig ungefährlich, denn ein aufsitzendes Schiff kann bekanntlich nicht untergehen. Sie können in aller Ruhe vom riesigen Sonnendeck aus die Landschaft rundum betrachten. Die Besatzung ist mehrsprachig, serviert abwechslungsreiche, leichte Küche. Fast täglich können Ausflüge unternommen werden – etwa zu den legendären Loire-Schlössern oder in die sehenswerten Städte Angers und Saumur. Auch eine Besichtigung der Werft in St. Nazaire steht auf dem Programm.

Die modernisierte historische Technik kommt an – alle Fahrten der „Loire Princesse“ seit ihrer Indienststellung im letzten Jahr waren ausgebucht. Das hat die Reederei ermutigt, die „Elbe Princesse“ wiederum in St. Nazaire in Auftrag zu geben – deren Schaufelrad am Heck angebracht wird, um in der Saison 2016 auf dem Weg von Prag nach Berlin nicht nur geringe Wassertiefen zu meistern, sondern auch die schmalen Binnenschleusen zu passieren.

www.croisieurope.de

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