Italiens Steuerfahnder nehmen Besitzer in die Pflicht


Jagd auf Luxusautos

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Keine Steuern zahlen, aber Cayenne fahren. Damit ist in Italien jetzt Schluss. Die Steuerfahndung kontrolliert nun die Luxusautos von Steuerzahlern.

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Nein, ein Redditometro ist kein Bauteil einer HiFi-Anlage. Es ist viel mehr der offizielle, italienische Maßstab zum Umrechnen eines Lebensstils. Die Besitzer von Ferrari, Porsche und Co. müssen nämlich ab sofort den Finanzbehörden vorrechnen, wie teuer der Unterhalt ihres Luxusschlittens ist und mit welchem Geld sie sich dieses Auto leisten können. Und da Tiffosi und Porsche-Freaks nur selten den Weg ins Finanzamt finden, kommen die Steuerfahnder einfach zu ihnen. So passiert bei einer Blitzkontolle der Finanzämter im italienischen Luxusort Cortina d’Ampezzo: 80 Steuerfahnder zogen in den Ort ein, um Supersportwagenfahrer und Luxusautobesitzer zu kontrollieren. So wurden 251 große Luxusautos angehalten, von denen 133 auf Privatpersonen zugelassen gewesen waren.

42 Spezis von denen haben sowohl für 2009 als auch für 2010 ein Jahreseinkommen von weniger als 30.000 Euro angegeben, 16 weitere ein Einkommen von weniger als 50.000 Euro. Die restlichen 118 teuren Autos seien auf eine Firma zugelassen gewesen, von denen 19 Verluste deklarierten und 37 einen Jahresgewinn von weniger als 50.000 Euro. Offenbar sind die Steuerfahnder in diesen Fällen auf Gesellschaften gestoßen, die wie so oft in Italien nur die tatsächliche Eigentümerstruktur verschleiern sollen. Dazu wird etwa eine italienische Leasing- oder Vermietungsgesellschaft gegründet, als deren Besitzer wiederum eine Gesellschaft in einem Steuerparadies fungiert, ohne dass die Hintermänner festgestellt werden können. Für Ministerpräsident Mario Monti ein wichtiges Unterfangen, denn schließlich müssten alle Steuern zahlen, auch wenn die Reichen nicht kriminalisiert werden dürften.

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Die Guardia Finanza – Steuerpolizei – ist überall unterwegs, notiert sich an Wochenende schon mal die Autokennzeichen von Sportwagen, die Richtung Monte Carlo unterwegs sind.

Die Finanzkontrolle hat Auswirkungen auf den Automarkt in Italien: Galt es früher als schick, sich in den Ferien mit dem Porsche Cayenne zu zeigen, fährt man heute lieber mit einem dezenteren Fahrzeug ins Luxusressort. Zumindest, wenn das Nettohaushaltseinkommen so gar nicht zum Hubraum passen will. Für Gebrauchtwagenhändler ist dies ein Desaster. Gerade, wer den Hof voll stehen hat mit Maserati Quattroporte, Porsche Cayenne und BMW X6, muss hohe Rabatte geben, damit er seine Schlitten überhaupt noch verkaufen kann. Im Schnitt kostet automobiler Luxus in Italien gut 20% weniger als in Deutschland. So gibt es einen gebrauchten Porsche Cayenne S in Italien schon unter 10.000 Euro – in Deutschland selten unter 12.000 Euro zu bekommen.

Italien-Importeur Vito D’Addezio von MV-Automobile aus Stuttgart Fellbach sagt: „Wir importieren seit über 20 Jahren Ferrari und Luxusautos aus Italien. Aber so billig waren sie noch nie.“ D’Addezio muss es wissen: Sein Onkel arbeitet bei der italienischen Steuerfahndung.

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