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Bastian Bielendorfer, das ewige Lehrerkind


Von Pädagogen „umzingelt“

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Bastian Bielendorfer ist in seiner Familie nur so von Lehrern umzingelt! Die Mutter unterrichtet in seiner Grundschule, der Vater an seinem Gymnasium, der Onkel ist dort sogar Rektor. Die Berufswahl zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Familie. Und das prägt gewaltig. Mit seinem neuen Buch „Papa ruft an – Standleitung zum Lehrerkind“ veröffentlicht er bereits sein viertes Buch über sein Leben als Lehrerkind (Piper Verlag). Als Comedian steht er mit seinem Programm „Das Leben ist kein Pausenhof“ auf den Bühnen der Republik. Wir haben ihn getroffen und ihm einige Fragen gestellt.

KÜS „Kann ich aufs Klo gehen?“ „Ich weiß nicht, ob du das kannst; aber du darfst!“ Wie oft hast du diese typische Lehrerantwort in deinem Leben gehört?

Bielendorfer Unzählige Male – besonders bei jedem Urlaub! Aber ich habe wohl schon ALLE Floskeln gehört die Lehrer von sich geben, denn in meiner Familie sind tatsächliche ALLE Lehrer, nicht nur meine Eltern!

KÜS Du bist studierter Psychologe. Hast du dir mal überlegt, selbst Lehrer zu werden? Warum Psychologie?

Bielendorfer Ich habe mal Lehramt studiert! Sechs Semester lang sogar. Und dann habe ich das erste Mal vor einer Klasse gestanden und wahnsinnig versagt. Interessanterweise wird man beim Lehramtsstudium erst nach drei Jahren auf Schüler losgelassen, was sehr schade ist. Ich denke, viele Leute würden ihre Entscheidung früher bereuen, wenn sie eher vor einer Klasse stehen müssten. Die Frage nach der Psychologie ist hingegen schnell beantwortet: Wenn du aus meiner Familie kommst, kannst du einen Psychologen gebrauchen!

KÜS Deine Karriere hat mit einem Auftritt bei „Wer wird Millionär?“ gestartet, stimmt das?

Bielendorfer Ja, das stimmt. Ich saß dort zufällig als Kandidat. Wie jeder andere durfte ich drei Telefon-Joker angegeben, einer davon mein Vater. Der ist Lehrer, Akademiker und hat insgesamt einen sehr hohen Bildungsanspruch. Seine Prophezeiung: „Unter 125.000 € geht unser Junge da nicht raus!“. Allerdings musste ich ihn schon bei 8.000 € anrufen. Er ging erst beim zweiten Anruf dran und meinte, es sei eine Schande für die Familie, dass ich schon bei 8.000 € anrufen müsse. Die Leute haben sich kaputtgelacht und fanden das natürlich super skurril. Und dann habe ich vor laufender Kamera erzählt, ich würde gerne ein Buch über mein Leben als Lehrerkind veröffentlichen. Das Manuskript würde schon fertig in der Schublade liegen. Ein Monat später wurde die Sendung ausgestrahlt. In diesem Moment schellte bei uns das Telefon. Dran war ein großer Verlag und sagte: „Schicken sie und doch mal das Manuskript. Ihre Familie klingt so bescheuert, das wird ein Bestseller!“ Das Problem war nur, dass ich nichts hatte. Nicht eine Seite!

„Letztendlich bin ich auch nur ein Sammelsurium der Genetik meiner Eltern.“

KÜS Als Comedian spielt man gerne mit Klischees. Lehrer gelten allgemein als Klugscheißer. Hast du manchmal selbst Anflüge davon, alles besser zu wissen?

Bielendorfer Ja, definitiv! Letztendlich bin ich auch nur ein Sammelsurium der Genetik meiner Eltern. Wenn bei uns die Familie zusammenkommt, ist das quasi die Jahreshauptversammlung der Klugscheißer. Und die überbieten sich alle gegenseitig! Und auch ich bin da nicht ausgenommen.

KÜS Was sagst du, wenn dein Kind Lehrer werden möchte?

Bielendorfer (lacht) Viel Glück!

KÜS Bastian, auf Facebook äußerst du dich – gerade vor der Bundestagswahl – sehr politisch und rufst vor allem dazu auf, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Deine Texte und Auftritte als Lehrerkind sind in der Regel eher unpolitisch. Sind Schule und Pausenhof unpolitische Orte?

Bielendorfer Nee, an sich nicht. Die Schulen sind deshalb unpolitisch, weil viele Schüler sich nicht für Politik interessieren – genauso wie sich viele Bürger nicht dafür interessieren. Deshalb halte ich es für wichtig, wenn man eine öffentliche Stimme hat, dass man davon auch Gebrauch macht, um den Leuten in irgendeiner Weise eine Haltung zu zeigen. Du kannst von mir aus banale Unterhaltung machen und trotzdem das Rückgrat haben zu deiner Haltung zu stehen!

KÜS Willst du die Rolle als Lehrer„Kind“ bis ins hohe Alter komödiantisch verkörpern? Oder nimmst du dein politisches Interesse zum Anlass, um ins ernstere Kabarett zu wechseln?

Bielendorfer Es gibt ja den alten Spruch: „Die Comedians machen es wegen dem Geld, die Kabarettisten wegen des Geldes“. Kabarett ist extrem respektabel, aber ich bin kein Kabarettist. Dass ich die Geschichte mit meiner Familie auch nur zu einem gewissen Maß erzählen kann, ist mir bewusst. Also wenn ich irgendwann als halbbeglatzter, dickerer, älterer Mann von meinen längst verstorbenen Eltern erzähle, dann bekommt das eine Richtung, die nicht gut ist. Aber schon im aktuellen Programm nimmt der Part als Lehrerkind nur noch etwa 20 Prozent ein. Der Rest kommt aus meiner Lebenswirklichkeit. Im Moment haben die Leute aber noch viel Spaß daran. Das liegt vor allem daran, dass ich als Lehrerkind eben keine Rolle spiele. Ich kann meine Geschichten so authentisch erzählen, da mir das alles tatsächlich so passiert ist!

KÜS Bastian, vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Max Schneider.

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