Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

Die »Motte de Beurre« wird 70


Erinnerungen an den Renault 4 CV

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Eine Postkarte mit Motiven aus der Landeshauptstadt, aufgenommen in den Sechzigerjahren, Gruß meiner Saarbrücker Großeltern an den Enkel. Damals hatte noch längst nicht jeder Haushalt ein Telefon, an Smartphones dachte erst recht niemand, und selbst eine Reise von 100 Kilometern – so viele trennten die zwei Familien – machte man nicht mal eben so spontan.

Da waren Postkarte, Briefmarke und Briefträger die sinnvollste Verbindungskette im Alltag. Auf einem Foto war ein kleines Auto zu sehen, mit markanter Front und steil abfallendem Heck. „Das ist ein Cremeschnittchen“, erklärte meine Mutter. Die kannte ich bis dato nur vom Sonntagskaffee, ohne Ähnlichkeit mit der Postkarte. Den Namen konnte die Mama dem neugierigen Filius nicht erklären, nur, dass das Cremeschnittchen auf vier Rädern eben ein Auto war, das viel gefahren wurde.

Dabei war die Analogie des Viertürers mit den kalorienreichen Namensschwestern aus Biskuit und Füllung naheliegend: Der erste Renault 4 CV, so der offizielle Name, hatte eine cremegelbe Karosserie. Die ergab sich als Mischung aus Restbeständen von Lack – man musste im (Nach)krieg nehmen, was (noch) da war.

Die Besucher des Pariser Automobilsalons 1946 tauften das Auto bei seiner Premiere »La Motte de Beurre« – Butterklumpen. Den inoffiziellen Namen behielt der Renault 4 CV fortan, auch nach der Serienversion, die 1947 debütierte, ebenfalls in Paris. Aus dem Butterklumpen im Heimatland wurde beim deutschen Nachbarn das  Cremeschnittchen.

Zu haben ist er bis 1961.

Dann holt ihn der Fortschritt ein. Dass das Cremeschnittchen seinem Nachfolger den Weg geebnet hat, ist keine zu hoch gegriffene Würdigung. War der 4 CV ein Musterbeispiel für einen preiswerten, familientauglichen Wagen, eroberte sich der Nachfolger den Ruf als typisches Studentenauto – der Renault 4, bekannter in der Kurzform R4. Das Konzept der preiswerten Mobilität, wie es der 4 CV vormachte, ist heute aktueller denn je. Sicher, auch Kleinstwagen sind heute sogar in der Basisversion durchweg recht komfortabel. Aber selbst Fahranfänger müssen ein Teil des Budgets fürsSmartphone reservieren und entsprechend kalkulieren. Dann gehen Fotos hin und her, Textnachrichten, gesprochene Grüße, alles in Direktzeit… Wer verschickt da noch Postkarten mit einem kleinen Auto drauf…

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