Roland Bernd · September 2008
«Ist das ein englisches Taxi oder der Fluchtwagen von Bonnie and Clyde?», fragte ein befreundeter Journalist, als wir an einem auffallend eckigen schwarzen Auto vorbeikamen.
Der seit Anfang 2007 auch auf dem deutschen Markt angebotene Daihatsu Materia fällt sofort auf. Bei der Toyota-Tochter hat man das eigenwillige Design des Fahrzeugs gleich marketingtechnisch genutzt:
Sein Äußeres – mit den leuchtend-peppigen Außenfarben – steht ganz im Kontrast zum Innenraum: Hier wirkt die Gestaltung mit viel Dunkelgrau und mittig angeordneten Instrumenten eher auffällig unauffällig. Zudem ist der Daihatsu Materia, anders als die 3,80 m Gesamtlänge es vermuten lassen, ein wahrer Raumkünstler. Nutzt man alle Ablagemöglichkeiten und den zur Verfügung stehenden Stauraum gezielt aus, geht der Daihatsu Materia nicht bloß als kleiner Van, sondern als Reiseauto für eine (kleine) Familie durch, moderate Unterhaltskosten inklusive.
Übrigens: So exotisch, wie sein Äußeres vermuten lässt, ist der jüngste Spross aus dem Hause Daihatsu keineswegs. Die Plattform ist die des Mutterkonzerns Toyota und als Scion xB ist ein ähnliches Auto seit Jahren in den USA erfolgreich (aus der Studie scion bB concept ging der Daihatsu Materia hervor). Gleiches gilt für den Nissan Cube, der seit 1998 in den USA zum Straßenbild gehört und nun auch nach Deutschland als «Nissan Würfel» kommen soll. Insgesamt stehen die Chancen also sehr gut, dass das von Asien und den USA nach Deutschland übertragene Würfel-Design ein Stück Kleinwagen-Geschichte schreibt. «Eigenwilliges, polarisierendes Design bei überschaubaren Kosten und hohem Nutzwert» ist ein bewährtes Rezept, das unter anderem dem Citro?n 2 CV und dem Renault 4 – auf Jahrzehnte gesehen – zum Kultstatus verholfen hat. Der Besitzer des schwarzen Daihatsu schmunzelte übrigens amüsiert, als er unsere interessierten Blicke bemerkte – derlei schien ihm nicht neu zu sein.
Roland Bernd