Ute Kernbach · September 2008
Auch ein nicht unbekanntes Unternehmen «in Gelb» hat rechtzeitig vor dem Börsengang die Bedeutung von Bruderpaaren – wenn auch ungleichen – erkannt. Während sich bei den Gottschalk-Brüdern die Nasenprofile doch sehr ähneln, sind inzwischen bei vielen Automobilen die Plattformen, sprich: Chassis, Antriebsstrang identisch. Hinzu kommt ein wenig plastische Chirurgie in Gestalt von markentypischen Accessoires sowie Retuschen an der Karosse – fertig ist das Markenimage und der mehr oder weniger individuelle Auftritt, so wie bei den Konzernbrüdern Kia cee?d und Hyundai i30.
Und dann gibt es noch die herstellerübergreifenden Kooperationen, die Automobile entstehen lassen, die sich oftmals nur im Markenlogo unterscheiden: Optisch und technisch beinahe identisch, werden lediglich Marken-Spezifika im Interieur und Exterieur hinzugefügt und die Rezeptur für die Vermarktung ist fertig. Gleiches unternimmt Opel und Suzuki mit dem Agila/Splash. Aber auch Citro?n, Peugeot und Toyota kommen mit ihrem französisch-japanischen Drillingen C1, 107 und Aygo daher.
Die Prognose-Spezialisten von der Bähr & Fess Forecasts GmbH haben dazu ausgewählte Modelle näher unter die Lupe genommen (siehe auch Tabelle). So sind beispielsweise die prognostizierten Wertverluste des Opel Agila mit dem 65-PS-Motor über den Betrachtungszeitraum um 1,5 Prozentpunkte besser als die des identisch motorisierten Suzuki Splash. Nach drei Jahren weist das Blitz-Mobil, das in Sachen Neupreis identisch mit dem Japaner aufgestellt ist, nur einen Wertverlust von 36 Prozent auf. Damit muss der Opel-Pilot für seinen 9.990 Euro teuren Agila einen Wertverlust von nur rund 3.600 Euro verschmerzen. Der Verkäufer des 36 Monate alten Splash hat dagegen einen Wertverlust von circa 3.750 Euro. «Wie bereits bei den Vorgängermodellen, hat der größere Automobilhersteller Opel auch hier die Nase vorn, wenn es um bessere Restwerte geht. Diese sind jedoch nicht wirklich wahrnehmbar höher als die des Suzuki, was auch daran liegt, dass der Japaner in deutlich geringeren Stückzahlen gebaut wird. Insbesondere der Agila gehört zu restwertstabilsten Fahrzeugen seiner Klasse», so Prognose-Spezialist Dieter Fess. Der Toyota Aygo ist qualitativ mit seinen französischen Mitbewerbern vergleichbar. Die Produktion ist von Toyota-Fertigungsstandards gekennzeichnet, so dass die Restwerte letztlich vom Marketing und dem jeweiligen Markenimage geprägt werden dürften. «Die Imagefaktoren der Marke spielen bei fast gleichartigen Fahrzeugen eine entscheidende Rolle für den Wiederverkauf. Da passt nur wenig zwischen Peugeot 107 und Toyota Aygo. Beide liegen quasi auf einem Restwertniveau. Dahin würde auch der Citro?n C1 gehören, wenn die Modellpolitik der Vergangenheit etwas glücklicher – und die Verkaufsstrategien weniger aggressiv gewesen wären. Aber die jüngsten Entwicklungen bei Citro?n lassen erkennen, dass man dort bestrebt ist, dies zu ändern», so Prognoseexperte Dieter Fess. Bei den Drillingen hat der Aygo in Sachen Wertstabilität die Nase klar vorn. Mit einem prognostizierten Wertverlust von 36 Prozent nach drei Jahren verliert der Japaner (Neupreis 9.350 Euro) am wenigsten. Dem Peugeot 107 attestieren die Propheten aus dem Saarland einen Wertverlust von 37 Prozent nach drei Jahren und der Citro?n verliert 40 Prozent seines ehemaligen Neupreises. «In der Entwicklungsgeschwindigkeit erinnert Hyundai sehr an Toyota. Schnellschüsse und Experimente sind den Koreanern fremd. Revolutionäre Entwicklungen hingegen liegen den Asiaten. Ein sehr gelungenes Beispiel für diese Strategie ist der i30, der sehr europäisch wirkt und über ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis verfügt. Der Kia cee?d ist baugleich, hat jedoch aufgrund seines weniger ausgeprägten Images den geringfügig schlechteren Wiederverkaufspreis.»
so Dieter Fess. Die Wertverlust-Prognosen der beiden Asiaten differieren nach dem Drei-Jahresvergleich um 0,5 Prozentpunkte zugunsten des Hyundai i30.
Ute Kernbach