Roland Bernd · September 2011
Mehr als ein Jahrhundert lang hat die Schwerindustrie das Ruhrgebiet geprägt. Eine zentrale Bedeutung kam dem Gasometer in Oberhausen zu, der 1929 nach knapp zwei Jahren Bauzeit – in Betrieb genommen und erst 1988 stillgelegt wurde. Mit 117,5 Metern Höhe und einem Durchmesser von 67,6 Metern war er zugleich der größte Gasbehälter Europas.
Fördertürme, Kokereien und Eisenhütten machten über Jahrzehnte das Stadtbild von Oberhausen aus. «Doch deren Vernetzung funktionierte nicht in allen Bereichen optimal. Zwar wurde das in den Eisenhütten der Gutehoffnungshütte (GGH) erzeugte Gichtgas bereits genutzt, um die Kokerei in Osterfeld zu befeuern. Doch sobald die Eisenverarbeitung stockte, musste bei der Kokserzeugung Kohle oder Öl verbrannt werden. Umgekehrt fackelte die Hütte ihr Gas ungenutzt ab, sobald der Kokereibetrieb nicht reibungslos lief.
Der Gasometer sollte die so entstehenden Verluste beheben, indem er Gas speicherte und nach Bedarf wieder abgab», heißt es auf der Internetseite zum ehemaligen Ort der Industrie, der heute ein Ort der Kultur ist. Mit der zunehmenden Bedeutung von Erdgas wurde der Gasometer schließlich nicht mehr als solcher gebraucht.
Heute ist der Gasometer in Oberhausen Veranstaltungs- und Ausstellungsstätte. Noch bis zum 30. Dezember 2011 ist hier die Ausstellung «Magische Orte» zu sehen. Der Betrachter sieht Wüsten, Gebirge, Urwälder, Tempel und Paläste. Deren Geschichte mag sich jedem Besucher anders erschließen und seine Vorstellungskraft anregen. Ein Höhepunkt ist auch die 43 Meter hohe Skulptur «Regenwaldbaum» als Licht- und Klanggestalt.
Von außen freilich erinnert der Gasometer in Oberhausen, weithin sichtbar und unübersehbar, an die Geschichte der gesamten Region und ihre unverwechselbare Prägung.
Roland Bernd