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Wissenschaft im Spiel entdecken

Ein Besuch im EXPLORA-Museum Frankfurt

Roland Bernd · April 2009

Sie halten Wissenschaft an sich für eine eher trockene Materie und fühlen sich als Erwachsene(r) dem Spielalter doch definitiv entwachsen? Das wird sich nach einem Besuch im EXPLORA im Frankfurter Nordend ganz sicher ändern. Am Glauburgplatz (ganz genau: im Glauburgbunker) gelegen, ist es gedacht als «Museum, das die verschiedensten wissenschaftlichen Gesetze und technischen Verfahren in einfacher, verständlicher Weise darstellt», erklärt Gründer Gerhard O. Stief, der das EXPLORA bis heute mit viel Leidenschaft unterhält.

Gerhard O. Stief, Gründer des Museums EXPLORA.

Gerhard O. Stief, Gründer des Museums EXPLORA.

Mit den Anaglyphenbrille auf der Nase ...

Mit den Anaglyphenbrille auf der Nase ...

... lassen sich spezielle Bilder 'räumlich' betrachten.

... lassen sich spezielle Bilder 'räumlich' betrachten.

EXPLORA

Glauburgplatz 1
60318 Frankfurt am Main
Fon 069 – 78 88 88
Fax 069 – 78 77 77

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
11 bis 18 Uhr
außer: 1. Januar, 24., 25. und 31. Dezember
Führung nach Anmeldung
ab 9.00 Uhr möglich

www.explora.info
exploramuseum.de

In der Praxis sieht das so aus: Der Betrachter steht zunächst vor den zahlreichen Ausstellungsstücken, ohne recht etwas damit anfangen zu können. Kreatives Chaos, wie es dem gängigen Künstler-Image entspricht? Nein, die scheinbare Unordnung in der Ordnung ist pure Absicht, denn genau dadurch wird die Neugier geweckt. EXPLORA spielt mit den Sinnen des Besuchers und zeigt ihm dadurch, wie komplex sie angelegt sind. Den Besucher erwarten unter anderem Hologramme, vermeintlich simple Fotografien und Palindrome. Letztere sind Sätze, die vorwärts wie rückwärts gelesen werden können und immer denselben Inhalt haben – etwa: «Nie, Erika, fette Fakire ein».

So, wie die Palindrome die Möglichkeiten der Sprache zeigen, zeigt EXPLORA mit seinen Ausstellungsstücken, wie Wissenschaft funktioniert.

«Durch das eigene Erleben und dadurch, dass man selbst tätig wird, bekommt man einen Einblick in physikalische Zusammenhänge, die eigentlich eher kompliziert sind»,

sagt Gerhard O. Stief – wobei vom Komplizierten beim Museumsrundgang nicht allzu viel zu spüren ist. Eher verblüfft und vergnügt entdeckt man die Ausstellungsstücke. Unverzichtbar dafür sind der kurzweilig geschriebene «Führer durch die Stief´sche Sammlung» (bei Eintritt für 5 Euro erhältlich) und die im Eintrittspreis enthaltene Anaglyphenbrille («3D-Brille»).

Autofans werden sich insbesondere darüber freuen, dass auch von dem Künstler Victor Vasarely (1906 – 1997) entworfene Renault-Signet zu den Exponaten gehört – die Gebrauchs-Graphik als Sinn-Spiel.

Der Unterbringungsort für ein so spielerisches Museum könnte übrigens ungewöhnlicher kaum sein: Denn gebaut wurde der Glauburgbunker vor einem bitterernsten Hintergrund – 1938 als bombensicheres Gebäude zum Schutz der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg. Erst nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums und dem Ende des Kalten Krieges wurde der Glauburgbunker aus der sogenannten «Zivilschutzbindung entlassen».

Und genau am 15. Mai 1995 um 15.05 Uhr hat ihn Gerhard O. Stief von der Bundesrepublik Deutschland gekauft. Heute muss der Glauburgbunker niemanden mehr schützen, vielmehr lädt sein Inneres zum Entdecken der eigenen Möglichkeiten ein.

Roland Bernd

 

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INHALT AUSGABE 26

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